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Ohne Geduld, ohne Engelsgeduld, geht auf Berlins Ämtern nichts, gar nichts. Sich als neuer Einwohner auf dem Bürgerbüro anmelden? Unter vier Stunden keine Chance. Ein Auto einlösen? Dafür braucht man fast einen Tag frei.
Zulassungs-Stelle Berlin-Kreuzberg. Drängler haben hier keine Chance - denn zu den Beamten vorstossen kann nur, wer vorher ein Nümmerchen gezogen hat. Dafür allerdings muss man anstehen. Und zwar lange. Der Flur ist voll Menschen - eine Stunde lang warten, damit man nachher richtig warten kann.
Dazwischen immer wieder ein paar Schwarzhändler, die den ganzen Tag nichts anderes machen als anstehen, bei der netten Frau ein Nümmerchen holen - und es dann für 10 oder 20 Euro, je nach Andrang, weiterverticken. Wenns einer der Wachbeamten merkt, fliegen die Jungs raus. Viel Geschrei und Gezeter - und fünf Minuten später sind sie wieder da.
Berlin ist notorisch Pleite, hat in der letzten Jahren hunderte Beamte abgebaut - aus deren Büros sind jetzt Wartesäle geworden. Hier verbringe ich heute meinen Tag.
Ich habe Nummer 102. Es ist Mittag - und die Anzeigentafel zeigt an: Jetzt wird Kunde Nummer 77 vorgelassen. Eine nette Frau rät mir: Gehense nach Hause, essense wat, kommense wieder. Am Nachmittag..
Ich warte. Gucke den Profis zu, die das Anstehen zum Beruf gemacht haben. Zulassungs-Service heisst das. Kostet ein bisschen was, aber für Gestresste eine prima Sache.
Ich lese FAZ und Handelsblatt und Süddeutsche. Bild. In der FAZ einen ganzseitigen Artikel, den ich sonst nie gelesen hätte. Keine Zeit! Aber hier, im behaglichen behördlichen Schoss...
14 Uhr. 100, 101, 102. Ich! Und jetzt kommt jener Teil der Geschichte, wofür man Berlin lieben muss, Berlin und seine Menschen. Es macht die Stunden als Gefangener einer Behörde vergessen.. Die Frau hinter dem Schalter strahlt mich an. Fragt nach meinem Wunschkennzeichen. Wichtig für mich als Exil-Zürcher: ZH muss drin vorkommen. Mit mütterlicher Nachsicht und Fürsorge geht die Frau alle möglichen Kombinationen durch: B-ZH 333? Nö, ich mag keine Dreien. B-ZH 123? Irgendwie kindisch. Dann sagt Sie: Wissensewat, nehmense doch die Tiefste! Ihr Schweizer wollt doch immer die Tiefste! Det wär B-ZH 115.![]()
Okay. Die nehm ich. Die Berliner verstehen die Schweizer - und deshalb lieben die Schweizer die Berliner..
Haben
wir uns doch vor kurzem zum Zügeln entschlossen. Doch wer umziehen
will, braucht zuerst eine neue Wohnung - und die Suche danach gleicht
in New York einem Spaziergang auf einem Bazar. Eine Leidensgeschichte in sechs Akten (und gleich vorneweg: die Bilder sind NICHT die Aussicht aus unserer Wohnung. Leider.)
Erster Akt: die Anzeige. Sie ist in der Regel - wie sich das in den USA gehört - masslos übertrieben. Selbst wer wie wir nach einer einigermassen günstigen Bleibe sucht, stösst auf Sätze wie: "Riesige Wohnung mit Blick auf die Skyline" - "Unglaublicher Luxus" - "Anrufen, ich schlafe niemals!". Soso.
Akt zwei: Der Anruf. Am anderen Ende ist praktisch immer ein Makler: "Toll das Sie anrufen!" Und wirklich immer hat er gerade diese tolle Wohnung soeben vermietet: "Aber kein Grund weiter zu suchen, ich habe da ein paar weitere Wohnungen, genau wie diese, die sind perfekt für Sie!". Naja, okay.
Der dritte Akt ist die Besichtigung. Es muss schnell gehen, "alle wollen diese Wohnung sehen", keucht der Makler. Einmalig, ganz selten sowas, einfach der Hammer, sagt er auch. Und der Preis? Tja, da sagt der Makler erst mal nix. Hm.
Denn der Preis, das ist Akt vier. Ein paar wenige Wohnungen werden - ganz transparent - zum Preis angeboten, den man tatsächlich bezahlt. Die meisten aber sind ausgeschrieben zu einem Phantasiepreis: Die Miete ist viel höher, dafür bekommt man einen oder zwei Monate gratis - so kommt man dann zumindest in die Nähe des versprochenen Preises (von Nebenkosten mal abgesehen). Janu.
Das alles ist für einen ordnungsliebenden Schweizer zwar exotisch, aber noch akzptabel. Doch halt, da gibt es noch Akt fünf: Den Vertrag. Was in der Schweiz eine Formsache ist, wird in New York öfter mal zur üblen Überraschung: "Die Wohnung ist leider teurer geworden" - "Sorry, doch kein Gratis-Monat" - "Eben vermietet, aber wir haben da noch eine etwas teurere ..." Wie bitte?
Alles
so passiert, mehr als nur einmal. Der Wohnungsmarkt in New York ist
von Schwindlern durchsetzt - diese Lektion haben wir gelernt.
Gezügelt haben wir dann doch, gemietet direkt vom Hauseigentümer.
Aber das geht erst nach Akt Nummer Sechs: sämtliche Visitenkartenkarten
von Maklern in den Müll werfen.
Es ist Winter. Es ist kalt. Es schneit. Eigentlich alles ganz normal, und trotzdem schafft es der Schnee alle Jahre wieder, die Ostküste der USA in den Ausnahmezustand zu versetzen.![]()
Ich als Bündner reibe mir da nur die Augen. In den letzten Wochen ist's gleich ein paar mal passiert: Die Post - geschlossen, wegen Schneefall. Starbucks - sorry, blame the weatherman. Ja sogar das Parlament in Washington arbeitet tagelang nicht, weil Schnee liegt. Man stelle sich das mal in Bern vor ...
Der Fairness halber muss man sagen: Oft fällt hier mehr Schnee aufs Mal als in der Schweiz. Das ist ein Grund dafür, warum jedes Jahr zehntausende Amerikaner ohne Strom sind in der kalten Jahreszeit (die Stromleitungen ziehen sich hier schliesslich oberirdisch zwischen Pfählen, Häusern und Bäumen durch, da heisst Schnee schnell mal Stromausfall).
Das wahre Problem aber liegt in der Infrastruktur: Weil die Städte sparen wo sie nur können, gibt es nicht genug Schneepflüge - von städtischen Angestellten die sie bedienen könnten ganz zu schweigen. So schneit und schneit es dann jeweils, und alle schauen zu und jammern über das Wetter. Liebe Stadtvädter von Boston bis DC: Wenn Ihr nicht zuschaut sondern rausgeht und den Schnee dann pflügt wenn er fällt, dann ist er eine reine Freude - so machen's jedenfalls wir Bündner.
So weit muss man allerdings gar nicht suchen: Der Midwest, die Rocky Mountains, sogar die Kalifornier haben den Schnee ja auch im Griff. Aber gratis geht's halt nicht.
Die Neujahrsnacht war kalt und schön - und es schneite viele Zentimeter. Die nächsten zwei Monate waren eiskalt, minus 15 Grad zuweilen. Tiefkühltruhe Berlin. Nicht nur die von der Kanzlerin vielzitierte schwäbische Hausfrau weiss: Tiefgekühltes hält ewig. Bis zum Stromausfall - oder bis zum Frühling!
Letzteres ist jetzt in Berlin. Die Temperaturen steigen, der Schnee ist geschmolzen, nach langen dunklen Wochen und Monaten. Übrig bleiben: Silvester-Scherben!
Was in jener Nacht auf offener Strasse entsorgt und sogleich zugeschneit wurde, ist jetzt wieder da: Überall liegen sie, die zerbrochenen Flaschen, unter den Linden genau so wie in Kreuzberg, vor meiner Wohnung genauso wie vor meinem Büro. Fröhlich schiebt der Frühlingswind die Flaschen-Wracks über Strassen und Plätze.. Vorher wars klirrend kalt, jetzt klirrend laut..
Das neue Jahr schon wieder in Scherben - alle Hoffnungen ruhen nun auf der BSR, der Berliner Stadtreinigung. Weg mit den ollen Flaschen - her mit dem Frühling!
Wenn der sportbegeisterte Kanadier vor den Spielen einen ganz grossen Traum hatte, dann sah dieser so aus: Kanada wird Olympiasieger im Eishockey. Am Besten mit einem Finalsieg gegen den ewigen Rivalen USA. Am allerbesten nach einem superspannenden Spiel mit einem Goal in der Overtime durch Superstar Sidney Crosby. Genau dieser Traum wurde wahr.
Eine Stadt im Glückstaumel
Während des Spiels war Vancouver wie ausgestorben. Die Strassen leer. Alle sassen vor dem Fernseher und schauten das Ereignis des Jahres, «the game of the games». Kaum hatte Crosby das entscheidende Golden Goal geschossen, gab es kein Halten mehr.
Die Leute stürmten auf die Balkone ihrer Wolkenkratzer, kamen auf den Strassen zu Hunderttausenden zusammen, schwangen die Kanada-Flaggen, jaulten und johlten - der Ausnahmezustand des kollektiven kanadischen Glücks hatte begonnen.
Wildfremde lagen sich in den Armen, gestandene Kerle hatten Tränen in den Augen, «gimme five» auf den Trottoirs und jeder noch so wildfremde Mensch (und mochte er auch ein TV-Journalist aus der Schweiz sein) wurde im Minutenrhythmus umarmt. Wenn jemand Freude beschreiben müsste - dann hätte er in der Innenstadt von Vancouver tausendfach Anschauungsunterricht gehabt. Es war magisch.
Kanada im Ausnahmezustand
Die TV-Stationen schalteten alle sofort um auf Sondersendungen, in denen stundenlang im 15-Sekunden-Intervall die gleichen Sätze gesagt wurden. Ungefährer Inhalt: «Es ist unglaublich, es ist wunderbar, ein Traum wurde wahr, great Canada!»
Mit dem 3:2-Sieg im Traumfinale enden die erfolgreichsten Spiele, die Kanada je gesehen hat. 14 Goldmedaillen - eine Nation im Goldrausch. Es ist die höchste Anzahl Goldmedaillen, die ein Land je an olympischen Winterspielen gewonnen hat.
Goldrausch für das Austragungsland
Das wäre alles schon mal schön und gut gewesen, aber ohne (die in den kanadischen Augen) allerwichtigste Goldmedaille im Eishockey wär's halt doch nur halb so nett gewesen. Doch auch diese Goldene ist jetzt Wirklichkeit. Im Mutterland des Eishockeys das Schönste, was passieren konnte. Ein Land feierte noch bis tief in die Nacht die grösste kanadische Party aller Zeiten.
Fotos: Andri Franziscus
Das war's dann. Bye Olympia, bye Vancouver. Mir hat's gefallen. Ihnen hoffentlich auch. Es waren schöne, spannende und stimmungsvolle Spiele. Doch ein paar Fragen bleiben unbeantwortet. Ein paar (nicht immer ganz ernst gemeinte) Fragen tauchen neu auf.
PS. Zur Frage der Bobbahn alles in meinem letzten Blog
Wenige Wettbewerbe noch und dann ist Vancouver 2010 Vergangenheit. Die Kanadier sprechen von den «maybe best games ever» (möglicherweise die besten Spiele der Geschichte). Das Veranstaltungsland darf sich ruhig loben - aber die Goldmedaille haben sich die Kanadier nicht verdient.

Bild: Reuters
Hier neun Gründe, warum es fast zu Gold gereicht hätte. Und ein Grund, warum es am Schluss nur Silber gibt:
Und jetzt fragen Sie sich, warum ich bei soviel Lob nicht die Goldmedaille vergebe? Ganz einfach: Weil es da auch noch den Eiskanal von Whistler gibt.
Die Bob-, Skeleton- und Rodelbahn sollte die schnellste und spektakulärste der Welt werden. Sie wurde es auch - aber sie wurde es nur, weil Grenzen überschritten wurden. Die Organisatoren konnten der Versuchung nicht widerstehen und haben einen tödlichen Eiskanal gebaut. Ein Toter, viele Verletzte und x-fach gekippte Bobs: das war kein Spektakel, das war ganz einfach daneben, völlig daneben. Sorry Vancouver 2010, aber mit diesem Riesen-Tolggen im Fast-Reinheft reicht es nicht für Gold, sondern nur für Silber.
Was für ein Gegensatz! Am Sonntag nach der Niederlage gegen die USA noch der grosse Katzenjammer. Jetzt die unendliche Erleichterung, die riesige Freude und das Hoffen auf den ganz grossen Eishockey-Coup.
Die kanadischen Eishockey-Stars haben Russland auf überzeugende Art und mit viel Cleverness nach Hause geschickt. Nicht ohne Grund schreiben die russischen Medien von Debakel, Albtraum und Fiasko. Der Olympiagastgeber liess den Russen in keinem Moment eine Chance oder etwas Hoffnung, das Spiel doch noch kehren zu können.

«The Dream is alive»
Die Freude der Kanadier kennt keine Grenzen. So hatten sie sich Olympia eträumt. Ein paar Goldmedaillen (bisher sind es sieben!) und dann der ganz grosse Coup im Eishockey. Nach der Halbfinal-Qualifikation kann der Traum («The Dream ist alive» schreibt «The Globe and Mail») weitergehen.
Die kanadischen Zeitungen finden nur noch Superlative: «Jackpot» jubeln sie. Sie empfinden den gestrigen Tag «als den besten Tag» und die Eishockey-Spieler, welche nach dem USA-Spiel noch ganz gewöhnliche Spieler waren, sind jetzt plötzlich «hockey heroes», also Eishockey-Helden.
Faszinierende Stimmung
Mit Vancouver ist Olympia in einer Stadt der National Hockey League NHL. Die Auswirkungen sind faszinierend. Wenn immer es meine Arbeit erlaubt, gehe ich ins Stadion. Es zieht mich förmlich dorthin. Egal wer spielt, die Stimmung ist unbeschreiblich. Jedes Spiel ist mit 16'500 Zuschauern ausverkauft. Für die Kanadier gibt's nichts Grösseres und Wichtigeres als Eishockey.
Und jetzt die Chance auf Gold! Ein Hollywood-Film hätte es nicht besser inszenieren können. Zuerst der Dämpfer gegen die USA und dann doch die Hoffnung auf das ganz grosse Glück. Ob's wie in Hollywood allerdings am Schluss ein Happyend gibt, ist offen. Jetzt müssen die Kanadier zuerst noch gegen die Slowakei gewinnen um in den Final vorzustossen.
Ich jedenfalls bin im Eishockey seit gestern definitiv Kanada-Fan!
Dass Deutsche Steuer-Sünder ihr Geld gern auf einem Schweizer Bank-Konto anlegen, ist hinlänglich bekannt.
Umgekehrt sollten sich insbesondere Verkehrs-Sünder bewusst sein: Es gibt auch Schweizer Konti in Deutschland! So unterhält die Zürcher Stadtpolizei - beziehungsweise die Finanzverwaltung Zürich - bei der Postbank in Karlsruhe das Konto mit der Nummer 8596757. ![]()
Dorthin muss ich nun 26,67 Euro überweisen. Weil - ich muss es zugeben: Ich bin in Zürich zu schnell gefahren. 2 km/h zuviel. Es geschah am Weihnachtstag um 11:02 Uhr, in jenem Quartier, in dem ich aufgewachsen bin. In freudiger Erwartung des Weihnachtsfests im heimatlichen Kreis der Ursprungsfamilie habe ich wohl mein Radarfallen-Erfahrungswissen aus 25 Zürcher Mofa- und Autojahren kurzzeitig vergessen.
26,67 Euro - das sind umgerechnete 40 Franken. So viel kostet die Begleichung der Schuld - und der Erkenntnisgewinn, dass ausländische Verkehrs-Sünder in der Schweiz konsequent verfolgt werden. In Verkehrs-Angelegenheiten funktioniert der Daten-Austausch zwischen der Schweiz und Deutschland prima. Dabei hatten die Rechercheure der Stadtpolizei Zürich, Abteilung Sonderleistungen, einiges zu tun:
Als Auslandschweizer mit Wohnsitz in Berlin habe ich einen Deutschen Fahrausweis. Damit habe ich in der Schweiz über besagte Weihnachtstage ein Auto gemietet. Die Stadtpolizisten haben also bei der Autovermietung meine Fahrausweis-Daten nachgefragt, dann wohl bei der Führerschein-Stelle hier in Berlin meine Adresse erfragt - und mir schliesslich die Busse zukommen lassen.
Finanziell wohl bestenfalls ein Nullsummenspiel, wenn man den Lohn des Beamten mit einrechnet. Aber Rechtsgleichheit und Moral sind unbezahlbar, wie wir spätestens seit der Aufklärung wissen. So ist es wohl unrealistisch, dass neben dem Bank-Kunden-Geheimnis auch ein Autovermietungs-Kundengeheimnis eingeführt wird..
Tagesanzeiger.ch/Newsnetz sah sich am letzten Montag zu einer Medienkritik an der «Tagesschau» vom Sonntag genötigt. Kurz zusammengefasst ist die Meinung des «Tagi-Online»-Schreibers: Es war alles Mist, was über den Sender ging.
Besonders viel Spass an der Kritik hat beim Journalisten der Beitrag über den Sport-Patriotismus ausgelöst. Das Thema war am Sonntag aktuell, weil Simon Ammann gerade seine vierte Goldmedaille gewonnen hatte. Die «Tagesschau» befragte dazu einen Experten, der (zugegeben) nicht gerade schwierig zu erarbeitende Weisheiten von sich gab.
Bild: Andri Franziscus
Da musste ich schon sehr schmunzeln, als ich heute morgen hier in Kanada die Zeitungen gelesen habe. Sie sind im Moment voller Geschichten über den kanadischen Patriotismus, der angesichts der kanadischen Medaillen genauso geweckt wird wie der Schweizer Patriotismus beim Anblick des aktuellen Medaillenspiegels.
«Patriotism doesn't shock expert» (Patriotismus schockt Experten nicht) heisst es da im Titel. Und die Expertin der B.C. Universität sagt dann, die Erfolge seien gut für die Identität und den Stolz einer Nation. Wow, das sind Aussagen!!
Jetzt konnte ich es mir natürlich nicht verkneifen und mal im Tagi-Archiv mit den Stichworten «Professor» und «Schweiz» auf die Suche zu gehen. Es war nicht schwierig fündig zu werden: Zum Bankgeheimnis beispielsweise gibt's einen Artikel (23.02.2009), bei dem (laut dem Titel) die wichtigste Aussage eines Professors ist: «Man muss dem Druck nicht immer nachgeben». Super, da wären wir natürlich nie darauf gekommen!!
Es gäbe noch Dutzende solcher Beispiele. Aber ich will hier nicht als Mahner des Journalismus auftreten. Denn seien wir (Journalisten) ehrlich: Nicht immer, wenn wir Experten, Professoren und sonst gescheite Leute befragen, schauen dabei auch Aussagen heraus, auf die man mit ein bisschen Nachdenken nicht auch von selbst käme.
Dies gehört doch zum Medien-Spiel. Bei Erfolg fragen wir: Was hat dieser Erfolg für Auswirkungen? Bei Misserfolg fragen wir: Was hat das für Konsequenzen? Wir suchen sie bei Akteuren (im «Tagesschau»-Beitrag z.B. war dies Bundesrat Ueli Maurer) und bei Experten. Bin gespannt, ob der «Tagi» in Zukunft auf die zweite Gruppe auch bei weniger aussagekräftigen Sätzen verzichtet.
Übrigens: Auch ich habe bei besagter Kritik ein bisschen Schläge einstecken dürfen. Zu Recht. Denn das Gespräch mit Goldmedaillengewinner Simon Ammann und Bundesrat Ueli Maurer war wirklich kein Highlight der Fernsehgeschichte. Ich hätte es mir auch spritziger und aussagekräftiger gewünscht. Aber das Schöne am Journalistenberuf ist ja, dass man das nächste Mal beweisen kann, dass man es auch besser kann. Dies gilt auch für den «Tagi-Online»-Fernsehkritiker.




kulturplatz-Blog mit Christoph Marti, auch bekannt als Ursli Pfister
