24.1.2012 10:40

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Der Busfahrer, das Geld und die Schweiz

Wer Berlin kennen lernen will, der muss Bus fahren. Berliner Schnauze im Original-Ton von den Königen der Stadt-Strasse. Man muss ihn einfach lieben, den herben Charme der Busfahrer hier. Wenn man Glück hat, ergibt sich an der Endhaltestelle sogar ein kurzes Gespräch. So wie gestern. Bus frontal.jpg"Ich überlege mir", erzählt der Mann hinterm Steuer, "in die Schweiz auszuwandern. Was denken Sie, ist das eine gute Idee?" Es entspinnt sich ein Gespräch übers Auswandern, übers Weggehen - und ich erfahre die Gründe für seine Pläne: Busfahren in Berlin ist hammerhart. Die Chauffeure werden von Fahrgästen bespuckt, gestossen, haben zuweilen ein Messer am Hals. Und das alles für 1400 Euro netto. Busfahren in Berlin heisst: Sechstage-Woche. Sechs Tage arbeiten, einen Tag frei. Dann wieder sechs Tage fahren und zwei Tage frei.
In der Schweiz, erzählt der Fahrer, sei doch alles viel besser. Zusammen mit seiner Frau, sagt er, könnte er auf 12000 Franken Lohn kommen. Hier verdienen sie 3400 Euro, der Lohn für zweimal Vollzeit-Arbeiten.
"Dann ist es mir auch egal, wenn ein Frühstück in der Schweiz 50 Euro kostet", sagt der Steuer-Mann.
Bald fährt die Fahrer-Familie für ein paar Tage in die Schweiz. Mal gucken. Mal gucken auch ob es stimmt, dass Deutsche in der Schweiz wirklich so viel Gegenwind haben, um im Busfahrerbild zu bleiben. "Eigentlich kann ich das nämlich gar nicht glauben", sagt er. "Denn wir sprechen doch alle die gleiche Sprache." So ist es, sage ich. Und gebe ihm meine Karte - falls er nach seinem Besuch daran zweifeln sollte.

Foto: Symbolbild



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20.1.2012 03:53

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Vermisst: Rick Perry

Seit heute ist der US-Wahlkampf um einen Kandidaten ärmer. Rick Perry, Gouverneuer von Texas, wirft das Handtuch.  Warum ich den Gouverneur von Texas im Wahlkampf vermissen werde:

Keiner ist wie Perry. Fernsehzuschauer in aller Welt werden vor allem seinen Ausrutscher vor laufender TV-Kamera in Erinnerung behalten: Bei einer Debatte fielen ihm von drei Behörden, die er abschaffen wollte, nur zwei ein. Autsch. (Oder im O-Ton Perry: "Oops.")

Wer allerdings in Iowa, New Hampshire oder South Carolina fernsieht, kennt auch Perrys Werbespots - und die sind eine Klasse für sich. Hier ein paar Highlights:

1. Der aufwändigste Polit-Spot, den ich je gesehen habe. Hollywood-Trailer sind Heimvideos dagegen:

2. Politiker sagen ja eine Menge im Wahlkampf. Hier sagt Perry wörtlich: "Es stimmt etwas nicht, wenn Schwule offen in der Armee dienen dürfen, unsere Kinder aber nicht offen Weihnachten feiern können." Wirklich?

3. Eins muss man Perry lassen: Er nimmt sich nicht zu ernst. Nach seinem legendären Blackout in der TV-Debatte nahm er sich in der eigenen Werbung aufs Korn. Chapeau - oder mehr texanisch: Hat Tip!



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11.1.2012 16:32

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Merkel, Monti und Moneten

In Venedig gibt es sie zu kaufen, für 4 Euro 50 das Pack: Farfalle Germania, Nudeln in schwarz-rot-gold. Tatsächlich, man sucht die Nähe zu Deutschland in diesen Tagen, heute ist Premier Monti zu Gast in Berlin, bei der Kanzlerin. Monti will Unterstützung, Krisen-Hifle - und verkündet schon vor seinem Besuch im Interview mit der "Welt": "Wissen Sie, ich habe immer für ein Italien gearbeitet, das so weit als möglich Deutschland ähneln soll. (...) Sie sehen, ich empfinde sehr deutsch."

Farfalle.JPGPasst also alles prima zu den Farfalle Germania. Aber: 4 Euro 50 für ein Pack Pasta? Tja, die können es sich leisten, die Italiener, denn, man staune: Das Geldvermögen pro Kopf ist in Italien höher als in Deutschland. Sic! Der Allianz-Global-Wealth-Report 2011 zeigt:
Im Durchschnitt haben die Italienerinnen und Italiener ein Vermögen von 60818 Euro - das sind 700 Euro mehr als der oder die Deutsche.

Diese Zahl gibt zu reden heute in Berlin - und manch einer sagt: Punkto Steuerdisziplin gibts noch einiges zu tun in Italien - Übernehmen Sie, Herr Monti!



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11.1.2012 15:05

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Alles Neu in New Hampshire

Es ist beinahe schon ein politisches Ritual: Die Wähler von New Hampshire stellen das Resultat aus Iowa, eben erst eine Woche alt, auf den Kopf. So auch dieses Jahr: Lagen in Iowa Mitt Romney und Rick Santorum noch praktisch punktgleich auf dem ersten Platz, zieht Romney nun mit fast 40 Prozent davon, Santorum liegt mit unter 10 Prozent plötzlich abgeschlagen auf Rang 5. „Wissen die Amis einfach nicht, was sie wollen?" fragen mich Schweizer Kollegen. Ein paar Antworten darauf.

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1.    Mehr als ein Amerika
Die USA sind einiges grösser als europäische Länder, und sie sind sehr viel heterogener. Die Menschen im Westen haben eine andere Mentalität als im Osten, an den Küsten denkt man oft anders als im Inland. Dazu kommen die andere Gräben, Stadt-Land, Nord-Süd, Schwarz-Weiss, Arm-Reich ... entsprechend ändern sich die politischen Prioritäten - und Favoriten - je nachdem, wo man nachfragt.

2.    Andere Staaten, andere Wahlen
Nicht nur die Menschen, auch die Wahlsysteme sind vielerorts verschieden: In Iowa beispielsweise muss man sich als Republikaner registrieren, um bei den Vorwahlen mitzureden - in New Hampshire können alle teilnehmen, die nicht gleichentags auch bei den Demokraten wählen. In Nevada muss man persönlich an einer Parteiversammlung (Caucus) aufkreuzen, in Florida geht's an die Urne (oder an eine der berühmt-berüchtigten Wahlmaschinen).

3.    Nonstop News
Die USA sind das Land der tausend Fernsehkanäle. Rund zehn davon kümmern sich im Kabelnetz allein um News; entsprechend wird stündlich eine neue Sau durchs Dorf gejagt, respektive eine neue Story durch die Kanäle. Da ist es nicht ganz leicht, sich eine Meinung zu bilden - und erst recht nicht bei ihr zu bleiben. Überraschungen sind deshalb immer möglich.

Nach New Hampshire geht's für die Kandidaten erstmals in den Süden des Landes, nach South Carolina. Mitt Romney wird alles tun, um auch dort zu gewinnen - das Resultat wird aber mit Sicherheit anders aussehen als in New Hampshire. Auch das ist beinahe schon ein Ritual.
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4.1.2012 19:23

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Iowa. Warum immer Iowa?


Alle vier Jahre wird ein kleiner Staat mitten in den USA zum Zentrum des politischen Universums: Iowa hält traditionell die ersten Vorwahlen in den US-Präsidenschaftswahlen ab. Das gefällt nicht allen, ist Iowa doch ländlicher, älter und weisser als viele andere Orte im 300-Millionen-Land USA. Viele Amerikaner fragen sich: Warum fällt ausgerechnet hier die erste Vorentscheidung, warum überhaupt der ganze Vorwahl-Marathon? Nach fünf Tagen Iowa verstehe ich ein wenig warum.

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In Iowa beginnt die Strasse, die die Kandidaten ins Weisse Haus führen soll.


Natürlich, es gibt repräsentativere Staaten. Aber nur Iowa hat diese „Wir sind die Ersten"-Tradition, und die Leute hier nehmen ihre Rolle im Wahlprozess sehr ernst. Sie besuchen die Events der Kandidaten, informieren sich und wägen lange ab, wem sie ihre Stimme geben. Es herrscht eine Tradition von Basis-Demokratie, die überall spürbar ist. Dann der Prozess an sich. Iowa wählt nicht wie andere Staaten. Wir waren gestern dabei: Hier versammeln sich die Leute in Schulen, Kirchgemeindehäusern, Mehrzweckhallen - und hören zu, wie engagierte Mitbürger sich für den einen oder anderen Kandidaten einsetzen. Auf demokratischer Seite können Wähler sogar noch vor Ort abgeworben werden, eine lebendige Debatte über die Richtung des Landes entfaltet sich, in über 1700 Wahllokalen überall in Iowa. Last but not least: In Iowa zählt Präsenz. Dieses Jahr hat sich das einmal mehr gezeigt. Kandidat Rick Perry etwa setzte stark auf Fernsehwerbung - ohne Erfolg. Konkurrent Rick Santorum tingelte stattdessen monatelang durch Iowa, hielt einen Mini-Event nach dem anderen ab - und zog am Ende mit Favorit Mitt Romney gleich. So ist das hier: Persönliches Engagement wird von den Wählern belohnt. Wer sich den Fragen der Bürger stellt, kann auch mit wenig Geld gewinnen. Ein ziemlich starkes Argument für Iowa in einem Land, wo das Geld allzu oft die Politik bestimmt.



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5.12.2011 18:13

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Das letzte Lächeln

Die Dame trägt Uniform. Die Stirn liegt in Falten. Der Blick sagt: Ich durchschaue Euch, alle. Ja, die Beamten der TSA, die an US-Flughäfen die Papiere der Reisenden kontrollieren, sind bekannt für ihre chronisch schlechte Laune. Mich aber haben sie fast immer angelächelt - schuld daran ist mein Schweizer Pass.

Pass.JPG
Genauer gesagt mein Passfoto. Ich habe nämlich einen der letzten Pässe mit einem lächelnden Foto. Kurz bevor die fotografische Freundlichkeit offiziell verboten wurde, habe ich mir 2005 einen „Roten" machen lassen, mit dem breitesten Grinsen das ich in der Schublade mit den Automaten-Fotos finden konnte (ja, auch sowas durfte man damals ganz offiziell noch verwenden).

Und so reiste ich fortan durch die Welt, und in den letzten paar Jahren durch die USA. „What a smile" hörte ich die Beamten dann öfter sagen, die selber ganz überrascht waren, dass sie da jemand aus einem Auweispapier anlächelt. Und nicht wenige haben mir dann noch zugeraunt, dass sie es viel besser fanden, als die Leute in ihren Pässen noch lächeln durften.

Doch kein Pass ist für die Ewigkeit - und so verblasst auch das letzte Lächeln. Ab sofort. Mein neuer Pass ist biometrisch, maschinenlesbar, mit allem drum und dran. Doch so freundlich wie der alte ist er nie, und so selbstverständlich freundlich wie bis jetzt werden die Beamten zu mir wohl nie mehr sein. Ich werde mal versuchen, sie jetzt direkt anzulächeln. Hoffentlich wirkt das nicht verdächtig.



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10.11.2011 17:18

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Der Kandidat, den niemand liebt

Die Republikaner suchen einen Kandidaten, der Barack Obama in einem Jahr aus dem Amt wirft. Sie träumen von einem neuen Ronald Reagan - doch wenn sie aufwachen, ist da nur Mitt Romney.Romney.png Heute, zwei Monate vor den ersten Vorwahlen, sieht es ganz danach aus dass Romney sich die Nomination sichern kann. Das liegt vor allem an der Schwäche seiner Gegner: Rick Perry, der hemdsärmelige Gouverneur von Texas, macht sich zusehends zur Witzfigur (zuletzt mit einem peinlichen Blackout in der TV-Debatte). Michele Bachmann, im Kongress der Star der Tea Party Fraktion, ist als Kandidatin eine Sternschnuppe geblieben. Und Herman Cain, der Newcomer, kämpft mit üblen Vorwürfen von mehreren Frauen, er habe sie sexuell belästigt.

Bleibt den Republikanern also nur Mitt Romney. Zähneknirschend stellen sie sich hinter den Mann aus Massachusetts, doch begeistert ist die Basis nicht. Warum nur liebt niemand Mitt Romney?

Ganz ehrlich: Persönlich verstehe ich die Skepsis. Ich erinnere mich gut an das Interview, das ich mit Romney 2008 geführt habe, nach der letzten TV-Debatte des Wahlkampfs. Der Mann machte alles richtig: Er redete druckreif, hatte alle Facts parat und er sah aus wie Hollywood sich einen US-Präsidenten vorstellt. Perfekt bis ins Detail. Und genau das ist das Problem: Steht man Romney gegenüber, hat man das Gefühl, man rede gerade mit Ken (genau, dem Freund von Barbie). Ken auf Wahlkampf-Tour. Romney ist ein Plastik-Kandidat in einer Partei, die sich nach einem Mann sehnt, der aus Holz geschnitzt ist. Aus dem gleichen Holz wie sie selbst, versteht sich.

Klar, bis zu den Wahlen bleiben noch zwölf Monate, in denen Romney seine menschliche Seite bei jeder Gelegenheit betonen wird - das tut er bereits seit vier Jahren. Nur eben mit bescheidenem Erfolg. Die Republikaner werden ihn annehmen; lieben aber werden sie Mitt Romney nie. (Zum "10vor10"-Beitrag über Romney und Cain geht's hier.)



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8.11.2011 17:45

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Wir basteln uns ein Schlagloch

Gemeinden heissen hier in Deutschland Kommunen - und die Kommunen sind klamm. Milliarden fehlen, Bibliotheken werden geschlossen, die Wassertemperatur in Schwimmbädern reduziert, gar Steuern auf Solarium-Besuche und Liebesdienste erhoben - und kaputte Strassen bleiben kaputt.

Die Schlaglöcher machen Autofahrern zu schaffen, 10vor10 hat darüber berichtet. Und weil keine Besserung in Sicht ist, passt sich Auto-Hersteller Mercedes-Benz nun an - und baut extra Schlagloch-Teststrecken. Mit originalen Schlaglöchern - beziehungsweise Kopien davon. Die Stuttgarter Nachrichten zeigen heute ein Bild davon:
Schlaglöcher.jpgSpezialisierte Arbeiter nehmen genaueste Abgüsse vor - ein aufwändiges Verfahren. Mercedes-Benz sagt: So können wir die Testfahrten auf öffentlichen Strassen reduzieren - und haben auf der Teststrecke dennoch realistische Verhältnisse.

Und wer als Bürger nun denkt: Wenn die Arbeiter schon da sind, können sie das Schlagloch auch gleich flicken - der täuscht sich. Nach dem Abguss wird sauber aufgeräumt, Schlagloch bleibt Schlagloch. Nur wenig tröstlich ist da die Aussicht auf Autos, die bald damit umgehen können...







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24.10.2011 04:21

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So sehen Schweizer Wahlen in den USA aus

Die eigenössischen Wahlen 2011 sorgen auf dieser Seite des Atlantiks nicht für grosse Schlagzeilen - dafür ist im Rest der Welt derzeit zu viel los. Doch am Rande berichten auch US-Medien über die Wahlen im "winzigen Alpenstaat" (Zitat Wall Street Journal).

Okay, die Schweiz in erster Linie als herziges Bergland, das kennt man ja. Eher überraschend jedoch ist die Schlagzeile, die das WSJ da gewählt hat: "Rechtsaussen liegt bei Wahlen vorn". Auch der Text fokussiert vor allem auf die Tatsache, dass die SVP (sie ist mit "Rechtsaussen" gemeint) nach wie vor stärkste Partei ist; dass diese Partei erstmals seit Jahren Verluste verzeichnet, wird eher beiläufig erwähnt. Und der Einfachheit halber werden Grüne und Grünliberale am Ende unter dem Titel "grüne Parteien" zusammengefasst. Naja, das würden die betroffenen Parteien wohl etwas anders sehen.

Inhaltlich präziser ist da schon der Text, den die Washington Post auf ihrer Internetseite aufgeschalten hat (Quelle ist die Agentur AP). Sogar ein kleiner historischer Rückblick ist dabei, der die Entwicklung einordnet. Entsprechend thematisiert auch der Titel die neue politische Lage: "Schweizer Wähler wenden sich Zentrum zu, Anti-Immigrations-Kampagne der Nationalisten scheitert". (Die SVP wird von diversen Medien hier als nationalistisch bezeichnet). Etwas überrascht liest man als Schweizer allerdings, dass nach eidgenössischen Wahlen offenbar prinzipiell eine Zauberformel gefunden werden muss.

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Den gleichen Text bringt auch die Website des Boston Globe - anders als die Kollegen in Washington hat man sich hier aber dazu entschieden, die Story mit dem Foto eines möglichst schweizerisch aussehenden Wählers zu bebildern. And the winner is: Martin Durrer aus Oberrickenbach, der mit Stimmcouvert vor der Kirche in Wolfenschiessen fotografiert wurde (wiederum von der Agentur AP). So sieht gelebte Demokratie aus! Die Schlagzeile dazu: "Mitte stoppt Aufstieg der Schweizer Nationalisten."

"Schweizer wählen moderate Mitte-Parteien statt Rechtsaussen" lautet der Titel auf der CNN-Website. Wie beim WSJ schreibt hier ein eigener Journalist, der sich vom Verlust der SVP überrascht zeigt, hätten doch "viele erwartet, dass die Angstmacherei-Kampagne von Rechtsaussen einmal mehr Erfolg hat." Als Beispiel dafür nennt der Autor das Minarettverbot, welches "von Ausländerfeindlichkeit angetrieben wurde". Ob der Verfasser in der Schweiz oder sonstwo zuhause ist, erfährt der Leser nicht.

Ebenfalls selbst in die Tasten gegriffen schliesslich hat die Bloomberg Business Week: "Schweizer Anti-Immigrations-Partei SVP verliert, das Ende eines 20-jährigen Vormarschs" lautet hier die Überschrift.  Und anders als die Konkurrenz hat man für die Story sogar mit einem Experten telefoniert, namentlich Andreas Ladner von der Uni Lausanne. Entsprechend viel erfährt der interessierte Amerikaner hier über die Schweizer Polit-Landschaft im Jahr 2011.

Fazit: Die Schweiz existiert, wenn in den US-Medien auch nach Berichten zum Wahlresultat gesucht werden muss. Nicht immer übrigens mit Erfolg: Der New York Times waren die eidgenössischen Wahlen bis Sonntag nacht keine Zeile wert. Dort interessiert man sich offensichtlich mehr für Schweizer Banken als für Schweizer.







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4.10.2011 15:26

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Schweizer Franken am Boden - Fortsetzung I

Frau Kersten kann es nicht fassen, ist fast ein bisschen verzückt, und dies nach all den Jahren auf dem Berliner Fundbüro. Ein Schweizer findet in Berlin 20 Schweizer Franken? Det issja verrückt!
Fundbüro-Schalter.jpgDann passiert das, was man im Journalismus den "Küchenzuruf" nennt: Die liebenswürdige Frau Kersten ruft ihre Kollegin, die hinter einem Schrank voll Portemonnaies und sonstigen Wertsachen sitzt: "Haste dit jesehn? Ein Schweizer findet in Berlin 20 Schweizer Franken!" (Geprägt hat den Ausdruck Küchenzuruf der Deutsche Sprachpapst Wolf Schneider: Eine Geschichte ist dann gut, wenn der Mann vor dem Fernseher seiner Frau in der Küche zuruft: Komm schauen, eine verrückte Geschichte! Über das überholte Rollenbild sprechen wir dann ein andermal...)

Jedenfalls gebe ich die 20 letzte Woche gefundenen Franken ab. Frau Kersten füllt das Formular aus - und muss für die 20 Franken einen Wert in Euro eintragen. Mit kritischem Blick würdigt sie die 20er-Note, hält sie dabei zwischen Daumen und Zeigefinger in die Höhe wie eine tote Maus und fragt: Wie viel issn sowas wert?
Fundanzeige.jpgIch erspare uns eine genaue Umrechnung - wir einigen uns auf "ca. 16 Euro". Ein halbes Jahr nun hat der Verlierer oder die Verliererin (sagt man das so? Oder ist es: Der oder die das Geld verloren habende?) Zeit, det Jeld abzuholen. Falls nicht, gehörts mir. Janz legal.




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