28.7.2011 03:18

 

Die Revanche: Das kann New York besser als Zürich

Mein letzter Blog-Post ging den Lesern in der Schweiz offensichtlich runter wie Honig: „10 Dinge, die Zürich New York voraus hat" erntete virtuelles Schulterklopfen auf Twitter, ein 5-Sterne-Rating und die Aufmerksamkeit der TV-Presse. Der Blogger bedankt sich natürlich, kann aber nicht widerstehen, jetzt auch noch eine Contra-Liste zu veröffentlichen. Ja, so Manches ist im Big Apple auch angenehmer als in Little Big City.

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1.    Open for Business
Was sind die wichtigsten Zahlen für die Schweiz? 1291, klar. 1848, keine Frage. Ich zähle auch 1830 dazu; 18 Uhr 30 um genau zu sein. Um halb sieben gehen die Lichter in fast allen Läden aus - wehe dem Konsumenten, der es wagt länger zu arbeiten und nach acht Uhr noch gerne das Frühstück für morgen besorgen möchte! Ganz anders in New York: Der Supermarkt bei uns in Queens um die Ecke hat - sage und schreibe - 24 Stunden am Tag, 365 Tage im Jahr geöffnet. Morgens um drei noch rasch einen Kübel Glacé kaufen, das ist der American Dream, der auf der Zunge vergeht.

2.    Small Talk
Der Schwatz zwischendurch ist, was den New Yorker am Leben hält (neben Koffein versteht sich). Egal ob im Laden, im Park oder in der U-Bahn - oder übers Wetter, die Kids oder die Politik: Zwei drei Worte, die dem Gegenüber zeigen, dass wir alle im selben Boot sitzen, und der Tag ist gerettet. Man vergleiche das einmal mit dem eisernen Schweigen in einer Zürcher S-Bahn oder dem wortlosen Anstehen an der Migros-Kasse mit Smile-Faktur null Komma null.

3.    Thanks, but no thanks
Dass Shopping in New York besser ist als sonstwo auf der Welt, weiss jeder NYC-Tourist aus persönlicher Erfahrung (und, schwachem Dollar sei Dank, sieht es derzeit fast so aus als wäre die halbe Schweiz in New York auf Einkaufstour). Das Tüpfli auf dem i in Shopping aber ist das Rückgaberecht: Praktisch alles kann man zurückbringen, auch Wochen nach dem Kauf noch. Kleider, Elektronik, Spielsachen. Originalverpackung? NIcht nötig. Quittung? Nur wenn man wider aller Amerikanisierung in bar bezahlt hat, sonst ist der Kauf per Kreditkarte ohnehin gespeichert. God bless America - and if he doesn't, just return it.

4.    Music in the air
Wer nicht gerade Lady Gaga hört, kann in der Schweiz lange darauf warten, dass die Lieblingsmusiker ein Konzert vor der Haustür geben. Anders in NYC: Hierher kommen sie alle, gross, klein, von Punk bis Puccini. Nur Tickets kaufen muss man noch.

5.    Delivery, please
"Essen bestellen" hiess für mich in der Regel "Pizza aus Karton", bevor ich nach New York kam. Jetzt steht mir kulinarisch nicht nur die ganze Welt offen (Indien! Nepal! Transsylvanien!), die Welt möchte mich auch beliefern - gratis, versteht sich. Damit ich zuhause in ferne Länder verreisen kann wann immer es mir beliebt. Yummy.

6.    Photo-Ops
Als Hobby-Fotograf fühlt man sich in New York wie Puh der Bär im Honig-Pool: Die Brücken, die Skyline, die Leute, die Action; da wird jeder Foto-Tour zur Entdeckungsreise. Mal Queens, mal Brooklyn, mal Manhattan, die Sujets gehen einem nie aus. Klar, auch Zürich ist schön, aber in Sachen Vielfalt schlägt New York so ziemlich jede andere Stadt in der Welt. Der Bilderreichtum reicht bei uns sogar für einen eigenen Photoblog.

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7.    Diversity
Während die Schweiz Menschen und Kultur aus fernen Ländern oft als Problem angeht (war eigentlich „Integrationsproblem" schon einmal Wort des Jahres?), gilt die Mannigfaltigkeit dem New Yorker als Standortvorteil: Stadtviertel mit jeder Menge „Diversity" schneiden in den Rankings besonders gut ab. Nirgends sind die Gene durchmischter als bei uns in Queens, und irgendwie finden das alle völlig okay.

8.    Netflix
Als Filmfan in der Schweiz war ich darauf angewiesen, was die Videothek im Angebot hatte - in den USA kann ich mir Filme in HD einfach per Internet auf den Fernseher streamen lassen. Für kaum mehr als einen Fünfliber im Monat gibt's mehr Filme als man im Leben schauen kann.
 
9.    Gallons
Okay, grösser ist nicht immer besser. Aber grösser ist immer mehr, und das ist bei den meisten Dingen so schlecht nicht: Milch, Shampoo, Cola - wer in Gallonen denkt, macht die Flaschen gross genug, dass man nicht nonstop Nachschub braucht. Auf die Milliliter-Fläschli verzichte ich gern.

10.    Free Wi-Fi
Es ist hier so selbstverständlich, es könnte auch in der Verfassung stehen: Gratis Drahtlos-Internet. Im Hotel sowieso, aber auch im Café um die Ecke oder am Flughafen. Im WLAN ist Amerika noch grenzenlos, während in der Schweiz sogar Hotels darauf bestehen, dass Internet nicht gratis ist. Und das im Jahr 2011! Ebenso gut könnte man für Fernseher oder Radio extra Geld verlangen. Internet gehört dazu - aber bitte nicht nur bis 18 Uhr 30.



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Kommentare
 

28.7.2011 08:24

  

Sehr schöner Beitrag Herr Honegger.
Kann beide Blogs, sowohl die top Liste Schweiz, wie auch die top Liste New York gut nachvollziehen.
War zwar noch nie in New York, aber auch von Beijing aus, wo ich arbeite, liesse sich das in etwa so übernehmen.
Schauen sie einmal auf meinem Blog vorbei, falls es sie interessiert:
http://marco.firstiwasblind.ch/
Freue mich auf weitere tolle Beiträge ihrerseits.
Gruss aus China
Marco

Marco


29.7.2011 18:46

  

Ich pflichte vielem bei, vorallem den laengeren Ladenoeffnungszxeiten und dem Gratisinternet. Vielleicht merken die Schweizer, dass das eine einfache Moeglichkeit waere, den auf Grund des Wechselkurses daniederliegende Tourismus anzukurbeln.
Peter, aus Hoboken NJ, gerade in San Francisco.

peter


30.7.2011 13:11

  

Hervorragender Beitrag - seit langem der Beste. Insb. wie sich der Kreis von 18.30 aus 1 bis 10 wieder schliesst. Genial

Inhaltlich könnte man mE auch 100 Punkte aufzählen, und man wäre noch lange nicht am Ende ..

Max Schnauzer


22.8.2011 13:07

  

Sehr schön, ich werde mir in rund einem Monat selber ein Bild machen, der Stadt, aber mit diesen Tipps kann ich mich schon mal ein kleines Programm machen... :-)

Michel Lobsiger


22.8.2011 22:23

  

Obschon interessant, erscheint mir dieser Beitrag doch sehr abgedroschen.
Natuerlich ist es angenehm, wenn die Laeden 24/7 geoeffnet sind (man sollte jedoch auch mal ueber die Situation der Angestellten, welche fuer minimal wage andauernd praesent sein muessen, reflektieren).
Politik als small talk Thema auf zu listen finde ich aeusserst heikel; um Kontroversen vor zu beugen wird dieses Thema in den USA in aller Regel elegant umschifft.
Zu guter Letzt mag man sinnieren, worin der Vorteil einer Gallone CocaCola liegen mag. Nach dem dritten Tag ist die Kohlensaeure weg und das restliche halbe(¿?) Gallon quasi ungeniessbar (nun gut, vielleicht hat sich Ihr Gaumen - trotz wohlwollend klingendem Delivery service from around the globe - doch Sixpack Joe's taste angepasst: Mit viel Eis zum Mitnehmen bitte...

Christian Jentsch


3.11.2011 05:22

  

und wegdem glich,länger als 5täg musmer i däre stadt nid verbringe. Dä hetmers gseh! nur mini meinig aber äs git schöneri und interesannterie ort uf däre Welt

miki


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