31.5.2012 05:01

 

US-Wahlen 2012: Amerika vs. Amerika

Es ist offiziell. Seit heute ist Mitt Romney der Kandidat der Republikaner im Kampf um das Weisse Haus. Nachdem die Partei monatelang heftig geflirtet hat - mit dem hemdsärmeligen Perry, dem redegewandten Gingrich und dem tiefgläubigen Santorum - hat sie sich nun zur Verlobung entschieden, mit dem soliden Romney. Hochzeit ist dann im August in Florida am Parteitag. Die Demokraten derweil stehen trotz Krisen zu ihrer Ehe mit Barack Obama. Im November hat das Volk die Wahl, wer Oberhaupt der grossen, zerstrittenen Familie Amerika werden soll. Ein Vergleich in 10 Punkten.


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Schwarz vs. Weiss

Okay, das ist ziemlich offensichtlich. Neben der Hautfarbe an sich stehen Obama und Romney aber auch für zwei grundverschiedene USA-Bilder: das multikulturelle, urbane Amerika tritt an gegen das vornehmlich weisse Amerika der Kleinstädte. Dabei spielt weniger der persönliche Hintergrund der Kandidaten eine Rolle (Obama wuchs u.a. in Kansas auf, Romney in einer Vorstadt von Detroit) als vielmehr die Basis, die es auf beiden Seiten zu gewinnen gilt.

Leistung vs. Versprechen

Ebenfalls ein eindeutiger Unterschied: Während Obama 2012 in erster Linie an seiner Leistung in den letzten vier Jahren gemessen wird, kann Romney eine Kampagne der Versprechen führen - Vergangenheit tritt da gegen Zukunft an, Tatsache gegen Hypothese. Das hat Vor- und Nachteile für beide Kandidaten: Die Wähler kennen Obama als Präsidenten, sie wissen was sie bei einer Wiederwahl erwartet. Handkehrum gibt es - gerade beim Mega-Thema Wirtschaft - diverse Felder, wo die Amtszeit von Obama als Enttäuschung gilt.

Reich vs. Reicher


Der Präsident ist, zwei Bestsellern sei Dank, ein reicher Mann: Sein Vermögen, so schätzt man, liegt zwischen 6 und 10 Millionen Dollar. Auch wenn er in Zukunft (das Buch nach dem Amt kommt bestimmt) noch reicher werden dürfte, Mitt Romney dürfte er kaum je einholen: 200 bis 250 Millionen Dollar hat er vor allem als Manager der Beteiligungsgesellschaft Bain Capital angehäuft.

50 vs. 65


Barack Obama war bei seiner Wahl mit 47 Jahren einer der jüngsten Präsidenten. Entsprechend ist er jetzt mit 50 immer noch "jung". Mitt Romney könnte im Alter von 65 Jahren eigentlich in Pension gehen, aber bekanntlich sucht er einen neuen Job für nächstes Jahr. Wichtiger als das reine Alter sind die historischen Erfahrungen der jeweiligen Generation: Obama wurde von der Reagan-Ära und dem Ende des kalten Krieges geprägt, Romney vom Vietnam-Trauma und Watergate.


Mehr Staat vs. Weniger Staat


Betrachtet man ihr Programm, könnten die beiden Kandidaten unterschiedlicher nicht sein. Obama sieht den Staat klar als gesellschaftliche Kraft zur Veränderung - das zeigt sich in seiner Wirtschaftspolitik, in Gesundheits- und Bildungsfragen. Romney hingegen will den Staat auf seine Kernaufgaben reduzieren, das Budget zusammenstreichen und die Steuern weiter senken.


Mommyboy vs. Daddyboy


Eiin weiterer interessanter Unterschied ist die Kindheit der beiden Bewerber. Klein Barack Obama wuchs ohne Vater auf, von Mutter und Grossmutter aufgezogen hatte er von Beginn weg weibliche Vorbilder. Auch heute noch ist Obamas Familienleben mit Michelle und den beiden Töchtern weiblich geprägt. Mitt Romney hingegen hatte früh schon den eigenen Vater zum Idol, der Auto-Manager in Detroit und später Gouverneur von Michigan sowie Minister unter Nixon war. Zum Präsident hat es 1968 nicht gereicht - ein wesentlicher Antrieb für Sohn Mitt, es nun 2012 zu schaffen.


Biden vs. ?


Die Kandidaten fürs Amt des Vizepräsidenten sind selten ausschlaggebend, welches Team das Rennen macht, doch sie geben einer Kampagne ein (zweites) Gesicht. Man erinnere sich, wie unterschiedlich McCain und später das Gespann McCain-Palin wahrgenommen wurden. Obamas Partner, soviel ist klar, ist erneut Joe Biden. Romney sucht noch, und seine Wahl wird mit Argusaugen beobachtet. Wie sagt doch das alte Sprichwort: Sage mir mit wem du gehst und ich sage dir wer du bist.


Sozialarbeiter vs. Manager


Obama hat schon 2008 bei jeder Gelegenheit betont, dass er in den Armenvierteln von Chicago gelernt hat, was im Leben zählt. Romney hingegen führt als wichtigste Qualifikation fürs Weisse Haus seine Erfahrung als Finanz-Manager an. Beide sind dabei allerdings ziemlich selektiv: Obama vermeidet es, seine (höchst erfolgreiche) akademische Karriere zu erwähnen, Romney blendet seine Zeit als Gouverneur im liberalen Ostküsten-Staat Massachusetts gerne aus.


Geld vs. Mehr Geld


Vor vier Jahren sprengte die Obama-Kampagne sämtliche Vorstellungen: 730 Millionen Dollar wurden für den Wahlkampf ausgegeben, mehr als doppelt soviel wie auf der Gegenseite von John McCain's Leuten. 2012 wird noch teurer: Obama's Ziel ist, rund eine Milliarde zu sammeln. Mitt Romney wird versuchen es ihm gleich zu tun. Er kann sich zusätlich allerdings auf eine Netzwerk von Aktivisten verlassen, das ebenfalls fast eine Milliarde in den Topf werfen will.


Harvard vs. Harvard


Neben all den Unterschieden gibt es auch Gemeinsamkeiten. In Sachen Ausbildung sind sich Romney und Obama ziemlich ähnlich, so haben beide Recht an der renommierten Harvard-Universität studiert (Romney hat zudem einen Business-Abschluss dort gemacht). Das führt bei den zwei Kontrahenten zu ein und demselben Problem: Viele Amerikaner mit weniger dickem Schulrucksack empfinden beide als elitär und weit entfernt von den Problemen kleiner Leute.




(Wie Obama in den Wahlkampf gegen Romney zieht, zeigt unter anderem dieser Tagesschau-Beitrag.)


Kommentare
 

17.6.2012 17:45

  

Schwachsinn!

Egal ob Rommny oder Obama gewählt wird, die Poltik wird sich nicht ändern.
Beide werden weiter Kriege treiben und nichts für das, von Armut geprägte, Volk machen.
Die Wahl zwischen Rommny oder Obama ist wie die Wahl zwischen Mist oder Scheiss.

Jemand der wirklich was machen könnte, und nicht die standard Politik durch führt, wäre Ron Paul. Deshalb finde ich es angebrachter einen vergleich zwischen Ron Paul und allen anderen zu machen. Da sieht man wirklich Unterschiede !!

Fredy


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