8.6.2012 22:41

 

Für Obama ein Monat in Moll

"Und was ist so rar wie ein Tag im Juni? Dann, falls je, sind Tage vollkommen", schrieb einst der grosse amerikanische Dichter James Russell Lowell (1819-1891). Was den Juni 2012 anbelangt, dürfte ihm Barack Obama kaum zustimmen - derzeit folgt für Mr. President eine schlechte Nachricht auf die andere. Bis jetzt ein Monat in Moll. Und es könnte noch schlimmer kommen.

ObamaJune5th.jpgPräsident Obama im Kreis seiner Berater am 5. Juni (Bild: whitehouse.gov)

Es begann mit einer dunklen Note gleich am 1. Juni: Die Arbeitslosenrate, Fieberkurve des Wahlkampfs dieses Jahr, stieg erstmals seit fast einem Jahr wieder an. Zudem korrigierten die Statistiker die Zahl der geschaffenen Jobs in den zwei vorangehenden Monaten nach unten. Setzt sich der Abwärts-Trend fort, hat Obamas Konkurrent Mitt Romney leichtes Spiel mit seinem Hauptargument "Obama bringt's nicht" ("Obama Isn't Working").

Dann folgte die schallende Ohrfeige vom 5. Juni.
In Wisconsin wurde der republikanische Gouverneur Scott Walker trotz massiven Protesten von links und einer millionenteuren Kampagne der Gewerkschaften im Amt bestätigt (unter anderem auch, weil er ein paar Millionen mehr in der Kasse hatte, "money talks" sagt man hierzulande). Obama hielt sich zwar tunlichst aus dem Konflikt heraus, das Fiasko für die Demokraten im traditionell liberalen Midwest-Staat ist aber ein denkbar schlechtes Omen für die nationale Wahl im November.

Die nächste Hiobsbotschaft traf am 7. Juni ein: Erstmals im aktuellen Wahlkampf hat Mitt Romney in einem Monat mehr Geld gesammelt als Dollar-Magnet Obama - und zwar deutlich mehr, fast 30 Prozent (67 Millionen versus 60 Millionen im Mai). Kommt hinzu, dass die Republikaner deutlich mehr Checks im Para-Parteiensystem der "Political Action Committees" sammeln. Alles in allem dürfte die Gegenseite etwa doppelt so viel Geld ausgeben wie das Obama-Lager.

Heute, 8. Juni, kam noch ein persönlicher Misston hinzu: Der Privatwirtschaft gehe es "gut", ("doing fine") sagte Obama an einer Pressekonferenz. Gedacht als Hinweis auf das akute Stellen-Problem im öffentlichen Sektor, ging der Schuss nach hinten los: Innert Minuten kritisierten Romney & Co. den Präsidenten, er habe von der Wirtschaft keine Ahnung - denn auch wenn in der amerikanischen Privatwirtschaft derzeit mehr Stellen geschaffen werden als beim Staat, gut geht es beiden nicht. Prompt musste sich Obama Stunden darauf korrigieren.

Der grösste Juni-Jammer steht dem Präsidenten aber noch bevor: Bis Ende Monat wird das Oberste Gericht seinen Entscheid bekannt geben, ob die Gesundheitsreform, die grosse Errungenschaft in Obamas Amtszeit seit 2008, ganz oder teilweise für nichtig erklärt wird (siehe Blog-Eintrag dazu). Last but not least wird auch ein Urteil zum hoch umstrittenen Immigrations-Gesetz in Arizona erwartet, das die Regierung in Washington mit allen Mitteln bekämpft. Die beiden Richtersprüche könnten Obamas Wahlkampf auf Monate hinaus belasten.

Nein, der Juni ist nicht Obamas Monat. Sonntag den 10.6. wird er wohl trotzdem geniessen: Tochter Sasha wird nämlich 11 Jahre alt, und "Happy Birthday" bringt dann ein wenig Dur in den Moll-Monat des Präsidenten.

(Zum Tagesschau-Beitrag über die Niederlage der Demokraten in Wisconsin Anfang Woche geht es hier.)


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