27.7.2012 14:22

 

Titelkampf ums Weisse Haus

Ladies & Gentlemen, willkommen zur Kampfnacht. In der blauen Ecke: Der Titelverteidiger, seit über drei Jahren die Nummer Eins - "The Chosen One", Barack Obama! Und in der roten Ecke, der Herausforderer, hat soeben sieben Gegner erledigt - "Mister Fix It", Mitt Romney! Noch genau 100 Tage und wir kennen den Sieger dieses Duells. Hier mein Ausblick als Fan des politischen Kampfsports.obama romney boxing.jpg
Bild: Art Parodies

Gong! 1. Runde: Der Sommer


Hier wird vor allem getänzelt, hin und wieder ein Schlag platziert. Beide Seiten wollen ihre Deckung nicht aufgeben, konkrete politische Vorschläge sind daher die Ausnahme. Es geht vor allem darum, den Gegner schlecht aussehen zu lassen. Romney muss versuchen, wie ein Champ auszusehen, auf der Trainings-Reise nach Israel zum Beispiel. Für Obama gilt es vor allem, Schlägen von aussen auszuweichen; immer am ersten Freitag im Monat kommt so ein Schlag in der Form der neuen Arbeitslosenzahlen. Die Chancen zum Gewinn dieser Runde stehen daher 50-50.


Gong! 2. Runde: Die Team-Wahl


Jeder Fighter weiss: Wer gewinnen will, braucht das richtige Team in seiner Ecke. Im Wahlkampf ist das nicht anders. Obama muss sich im Hinblick auf eine zweite Amtszeit über wichtige Posten Gedanken machen: Finanzminister Tim Geithner hat genug vom blutigen Politik-Business, ebenso Aussenministerin Hillary Clinton (vorerst zumindest). Dem Vernehmen nach hat Ex-Kandidat John Kerry gute Chancen auf diesen Job, Obama dürfte sich zu all dem aber bedeckt halten. Romney muss derweil seinen Vizepräsidenten ernennen; zu den Favoriten gehört dort unter anderem Senator Rob Portman, der Schweizer Wurzeln hat. Wen auch immer er ernennt, die Schlagzeilen wird Romney mit dieser Entscheidung tagelang domnieren, daher stehen seine Chancen zum Rundengewinn besser, 70-30 nach meiner Schätzung.


Gong! 3. Runde: Der Partei-Jubel


Jetzt werden im Publikum die Signalhupen ausgepackt: Es geht an die Conventions. Diese Parteitage sind längst keine echten Abstimmungen mehr, sondern gigantische Motivations-Partys. Die Republikaner legen in Florida zuerst los: Der hemdsärmelige Gouverneur aus New Jersey, Chris Christie, wird eine schlagkräftige Rede halten. Ebenso wohl Shooting-Star und Lokalmatador Marco Rubio, und natürlich der bis dahin bekannte Vize-Kandidat. Zum Schluss dann Mitt Romney - es dürfte schwierig werden für den eher ungelenken Businessman aus Massachusetts, nach den Publikumslieblingen noch zu punkten. Anders die Ausgangslage bei den Demokraten in North Carolina: Sicher, die Clintons und Joe Biden können jedes (linke) Publikum mitreissen, aber der Megastar ist hier klar Mr. President himself, der wie schon 2008 seine Rede in einem Stadion halten wird. Vorteil Obama, Chancen schätzungsweise 70-30.


Gong! 4. Runde: Die Rededuelle


TV-Debatten. Drei erbarmungslose Serien von kurzen, harten Schlägen. Nicht wenige Fans des Polit-Sports glauben, dass hier die Entscheidung fällt. Die Kandidaten endlich im Eins gegen Eins zu sehen, gibt den noch Unentschiedenen Wählern eine gute Möglichkeit, die beiden zu vergleichen. Für Obama sprechen seine nach wie vor hohen Sympathiewerte, seine rhetorisches Talent und sein geschmeidiger Kampfstil. Romney jedoch ist in der Form seines Lebens, hatte fast 20 TV-Debatten gegen republikanische Konkurrenten zu bestreiten. Als Herausforderer startet er zudem im Angriff. Chancen: 60-40 für Obama.


Gong! 5. Runde: Der Showdown


Jetzt geht es um alles oder nichts. In den Tagen kurz vor der Wahl darf kein Fehltritt passieren. Oft kommen jetzt auch noch überraschende Tiefschläge zum Zug, die sogenannten "October Surprises". Auch komplett neue Umstände sind schon vorgekommen: 2008 verdrängte die Finanzkrise im Oktober andere Wahlkampf-Themen fast gänzlich. Dass John McCain damals schwer angeschlagen ein Timeout forderte, hat ihn wohl endgültig den Sieg gekostet. 2012 gibt's vier Tage vor dem Wahltermin für Obama nochmal einen Kinnhaken in Form druckfrischer Arbeitslosenzahlen. Dazu kommen diverse Unbekannte: Euro, Iran, Syrien, Terrorismus, Afghanistan. Diese Risiken bedrohen vor allem die Beinarbeit des Amtsinhabers, die Chancen zum Gewinn dieser Runde stehen darum 60-40 für Romney.


Meine Prognose


Dieser Kampf geht über die volle Distanz, ein vorzeitiger K.O. wäre eine Riesen-Überraschung. Und Stand jetzt, 100 Tage vor dem Schlussgong, ist völlig offen wer am 6. November als Champion aus dem Ring steigt.


(Dachte mir die Box-Metapher passt zum Start der Olympischen Spiele, sie wird in der Politik aber auch sonst gern benutzt - zum Beispiel auf der Witz-Website "Funny Or Die". Viel Spass beim Zuschauen :)


Kommentare
 

28.7.2012 11:39

  

Irgendwer hat mal gesagt:
"Derjenige Kandidat der in einem Interview offiziell sagt: "Ja, ich habe meine Frau betrogen" "Ich habe Steuern hinterzogen" "ich habe gestohlen"
Diesen Kandidaten würde ich wählen, denn er sagt die Wahrheit!
Bis jetzt hat es aber noch keiner gesagt.

Pascal


Kommentar verfassen

Liebe Blog-Besucherinnen und -Besucher
Wir freuen uns, wenn Sie die Beiträge unserer Blog-Autoren kommentieren und bitten Sie, sich dabei an die Netiquette zu halten.