17.6.2010 20:24

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The spill and the spin

British Petroleum (BP) hat alles versucht, den Informationsfluss zur Katastrophe im Golf zu kontrollieren. Aber am Ende scheint das dem britischen Konzern genauso wenig zu gelingen, wie den Ölfluss zu stoppen. Als bestes Mittel, der Wahrheit näher zu kommen, erweisen sich einmal mehr die Hearings.

Diesen Donnerstag wurde Tony Hayward, der CEO von BP, auf dem Kapitol gegrillt. Konfrontiert mit den Fakten, die die Katastrophe ausgelöst haben, versucht Hayward, sich hinter leeren Phrasen zu verstecken oder verweist auf die noch laufenden Untersuchungen. Doch die Abgeordneten lassen ihn nicht so billig entwischen.

Sprechen sie Englisch und haben sie 17 Minuten Zeit, dann sollten Sie sich folgendes Lehrstück in politischer Aufklärungsarbeit nicht entgehen lassen.

BP-Chef Tony Hayward



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13.5.2008 17:10

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Gemein - richtig gemein

«Haben sie nicht Angst?», fragte kürzlich John Stewart, der Anchorman der «Daily News Show», Barack Obama. «Haben sie nicht Angst, sie könnten die Nomination am Parteitag gewinnen, sie schlagen John McCain bei den Präsidentschaftswahlen, bereiten sich gerade für die Inauguration vor und Hillary macht noch immer Wahlkampf?». Unter dem Gelächter der Studiogäste rühmte der höfliche Barack das Stehvermögen seiner Gegnerin.

Seither hat sich nicht viel geändert: Hillary kämpft unverdrossen weiter, obwohl sie nicht mehr aufholen kann, obwohl die Superdelegierten zu Obama überlaufen, obwohl ihr Parteifreunde und Medien mal leise, mal laut raten: es ist Zeit auszusteigen. Was aber soll Obama machen? Wie geht er am besten mit Hillary um? Anstatt endlich Ruhe zu geben, attackiert sie ihn mit jedem Tag wütender.

Zurückhauen gilt nicht, denn erstens sollte man Frauen nicht schlagen und zweitens: Was würde dann aus Baracks Botschaft von wegen anständiger Politik?  Als dann letzte Woche die Wähler von Indiana und North Carolina alle Präsidentschafts-Aspirationen von Hillary zunichte machten, hatten die Wahlkampfstrategen endlich eine Lösung gefunden: Obama rief in seiner Siegesrede die Amerikaner auf, die Politik der Ewiggestrigen hinter sich zu lassen, donnerte gegen McCain, erwähnte Hillary aber mit keinem Wort. Das war nicht Zufall, das war Konzept.

Seit dem 7. Mai existiert Hillary für Barack schlicht nicht mehr. Soll sie die Vorwahlen doch alleine weiter bestreiten, werden sich seine Strategen gesagt haben, wir müssen sehen, mit McCain fertig zu werden. Und so führt Obama seit einer Woche bereits den eigentlichen Präsidentschaftswahlkampf, während Hillary zum Schattenboxen verdammt ist. Noch immer zischen ihre Schwinger und Hacken fürchterlich durch die Luft, aber da ist niemand mehr, den sie treffen könnte. Obama hat sie einfach stehen lassen. Das ist gemein - richtig gemein.



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24.4.2008 19:40

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Tough, tougher, am toughesten

«It's the toughest Job in the world», verkündet Hillary Clintons jüngster Wahlkampfspot und «you need to be ready for everything». Was das heisst, erklärt die toughe Lady am Wahltag beim Fernsehsender ABC. Auf die Frage, wie sie reagieren würde, falls der Iran Israel angreift, meint sie: «Die Iraner sollen wissen, wenn ich Präsidentin bin, dann werden wir den Iran angreifen.»

Schön und gut, das hatten wir die Woche davor in einer Fernsehdebatte bereits erfahren. Der gute Barack sah an dem Abend ziemlich schlecht aus, eierte rum, gab dafür und dawider und meinte schliesslich dünn, er würde angemessen reagieren. Die Noten waren entsprechend schlecht, die Wähler liefen in Scharen zu Hillary über. Also warum nicht noch eins draufsetzen: if tough sells good, tougher sells probably better. Und so fügt Hillary an besagtem Wahltag bei ABC hinzu: «Wir wären in der Lage sie [die Iraner] total auszuradieren.» Wie bitte? «Ausradieren. Total Ausrrrradieren!» Ist das wirklich notwendig? Wird sie Dick Cheney zu ihrem Vize küren? So wie es aussieht, ist Hillary wirklich zu allem bereit. Zu allem, wenn's nur ein paar Stimmen mehr bringt. Ein Spiel mit Feuer. «If you can't stand the heat, get out of the kitchen», heisst es weiter in ihrem Werbespot. Da kann man ihr nur Recht geben.



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19.3.2008 09:16

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Echte Cowboys reden nicht über Politik

Fast 3 Jahre hat es gedauert bis ich als US-Korrespondent die Chance hatte, Cowboys zu treffen. Ganz im Gegensatz zu dem, was mich John Wayne und Dutzende Western aus meiner Jugend lehrten, sind die Jungs absolut nicht gewalttätig. Keiner von ihnen wollte sich mit mir prügeln, geschweige denn mir eine Flasche über den Kopf schlagen oder einen Stuhl auf meinem Rücken zerbrechen. Als ich den Frust darüber mit einem ordentlichen Whisky runter spülen wollte, bot mir Louis statt dessen Filterkaffee an. Es geht inzwischen also enttäuschend zivilisiert zu im Wilden Westen, ich würde meinen sogar ausgesprochen höflich. Ständig sprach mich Louis mit «Sir» an. Nix von der Arroganz der Apparatschiks in Washington, wo ich selbst am Postschalter nur unterwürfigst mein Anliegen vorbringen darf, um so etwas Unverfrorenes zu tun, wie einen Brief abzuschicken.

Nein, die texanischen Cowboys sind da anders und Louis Brooks ist weiss Gott nicht irgendwer: 18'000 acres (= 7285 ha) Land nennt er sein Eigen, 75 Windturbinen darauf bringen ihm pro Monat mindestens 50'000.- Dollar ein, dazu kommen Dutzende von Ölpumpen, Hunderte von Angusrindern, Tausende von Schafen und, und, und. Sein Vater hatte als Rodeoreiter den Grundstock für den Reichtum der Familie gelegt, sein Sohn setzt die Familientradition fort: Er ist ein Champion im Calf Roping. Echte Cowboys der ganze Clan. Das ist auch leicht an der Kleidung zu erkennen. Angefangen bei den Boots über die Jeans, das ebenso bunte wie gewöhnungsbedürftige Hemd bis hin zum unerlässlichen Cowboyhut (Näheres dazu unter «Letzte Chance für Hillary Clinton»).

Was einem am ersten Tag noch als Folklore erscheint, dünkt einem am zweiten durchaus vernünftig und spätestens am dritten unentbehrlich: «Wie kann man nur mit lächerlichen Halbschuhen durch die texanische Prärie ziehen», sagte ich mir und schwups war ein Paar schmucke Stiefel gekauft. Als Vernunftmensch liess ich es dabei bleiben. Mein Kameramann aber brauchte neben ordentlichem Schuhwerk auch noch einen Klapperschlangengürtel mit taschenbuchgrosser Silberschnalle und natürlich einen Cowboyhut. In Washington wirkt er inzwischen beinahe so exotisch wie wir am ersten Tag in Sweetwater. Zu den faszinierendsten Exemplaren der Gattung Cowboy aber gehörten zweifellos Howard und James: 75 Jahre alt jeder von ihnen und alles andere als altersschwach. Wir trafen die beiden als sie gerade 36 Klapperschlangen von der Jagd heimbrachten: Beute für das weltweit grösste «Klapperschlangen-Round up», das eine Woche später in Sweetwater stattfinden sollte. (Näheres unter «Tödliche Klapperschlangen als Attraktion»).

Unsere  Absicht war es, mit ihnen über Politik zu reden, über Hillary Clinton, Barack Obama und John McCain. Doch daraus wurde nichts. Mit einem texanischen Cowboy über Politik reden ist wie einen Schweizer nach seinem Einkommen zu befragen. Es gibt Grenzen des Anstands. Für unsere Reportage waren die beiden untauglich doch wer sehen möchte, wie sich selbst vom Wetter gegerbte Cowboys zieren können, wenn es mal so richtig peinlich wird, der sollte einen Blick werfen auf das Video «Texanische Cowboys reden über Politik» (im Special US-Wahlen, Multimedia).

Texanische Cowboys «zähmen» Klapperschlangen 
Howard und James mit ihren eingefangenen Klapperschlangen



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8.2.2008 17:50

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Doppelleben der Korrespondenten

Mit grosser Freude habe ich festgestellt, dass mein erster Blog-Eintrag bereits die Beachtung der «NZZ» (Ausgabe-Nr. 32; Seite 67, «Herausgegriffen») gefunden hat.

Allerdings schiesst der Autor mit Kanonen auf Spatzen: Ein Blog ist kein Tagesschau-Bericht - auch die Zeitung kennt Textsorten wie Glosse, Kommentar und Bericht, ohne dass deswegen Generationen von Journalisten ein Doppelleben führen mussten. Und dann noch dies: Man kann gegen Guantanamo sein und totzdem Amerika lieben.



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8.2.2008 00:48

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Super Tuesday oder Grosse Ereignisse werfen ihre Schatten unter die Augen

Gekrümmt, etwas zerfleddert, deutlich gealtert, aber mit einem stillen, beinahe zufriedenen Lächeln sehe ich die Kollegen über die Gänge unseres Korrespondentenbüros schlurfen. Es ist geschafft. Peter Voegeli hält den Minimalrekord: 105 Minuten, meint er, hätte er geschlafen zwischen Dienstag und Mittwoch - ich denke, er hat nur geträumt, er hätte geschlafen. Ununterbrochen Berichte, Telefongespräche, Einschätzungen. Das Radio ist wie ein schwarzes Loch, das unbegrenzt Informationen in sich hinein saugt.

Wir vom Fernsehen haben Verstärkung aus Zürich gekriegt. Gregor Meier ist letztes Wochenende eingeflogen - zuständig für Hillary Clinton und New York. Am Wahltag dann erreiche ich ihn, als er gerade vom Joggen zurück kommt: Ein kleiner Entspannungslauf entlang dem Hudson River, angereichert mit Abgasen von Manhattans nie versiegendem Verkehrschaos. «Bist du wahnsinnig?», frag ich ihn. Das sei für ihn, entgegnet er, eine ideale Vorbereitung auf den 36-Stunden-Marathon, der uns bevorsteht. Leichtsinnige Jugend! Ich selber schleppe mich, geplagt von einer hartnäckigen Erkältung, runter zur «CVS Pharmacy», um mich mit Theraflu und einer Familienpackung Hustenbonbons einzudecken: Traubengeschmack. Die Hälfte davon habe ich tatsächlich weggeschlotzt, wovon meine Zunge taub geworden ist. Aber die ekelhaften Teilchen haben ihren Zweck erfüllt.

Insgesamt hatte ich es ja im Studio höchst komfortabel. Denise Langenegger, die von Los Angeles aus zugeschaltet wurde, ist uns während der Sondersendung fast weggefroren. Anderthalb Stunden von zehn bis halb zwölf nachts stand sie in der Kälte. Die Zuschauer haben nichts gemerkt. Geschlottert hat sie - ganz Profi - nur off Kamera.

Aber was ist unser Leiden verglichen mit dem der Kandidaten: Hillary Clinton krächzte förmlich einen Tag vor dem Super Tuesday. Dem Daueroptimismus ihrer Wahlreden wollten sich ihre Stimmbänder offensichtlich nicht beugen. Hinzu kommt permanente Schlafdeprivation: die wütenden Ausfälle ihres Bills gegen Barack Obama erklärte sie nicht mit knallhart kalkulierter Wahltaktik, sondern schlicht mit Schlafmangel (Stimmt, kenn ich von meinen Kindern, die werden nach acht auch ganz quenglig).

Rekordhalter des Masochismus war der inzwischen leider ausgeschiedene John Edwards. In Iowa leistete er sich zum Finale eine 36-Stunden-Dauerkampagne und das wurde dann zum Usus bei den nachfolgenden Vorwahlen. Genützt hat es ihm nichts: Trotz attraktivem Wahlprogramm und einer Vorreiterrolle in Sozialfragen wie etwa «Krankenversicherung für alle», ging der weisse Mann mit dem perfekten Scheitel unter. Die Medien fanden es attraktiver über die erste Frau und den ersten Afroamerikaner zu berichten, die fürs Weisse Haus kandidieren.

Letzterer ist ein Phänomen in diesem Wahlmarathon. Bei Barack Obama hat man den Eindruck, er sei heute so frisch wie an dem Tag als er seine Kandidatur bekannt gab. Nicht die Spur von Müdigkeit. Ist das nun der Ausdruck einer ganz neuen Generation von Politikern? Oder liegt es einfach an der genialen Botschaft «Hope», «Change», «Yes, we can»? Ich denke, ich habe seinen Trick durchschaut: Die Parolen sind dermassen repetitiv, der Mann redet im Schlaf. Hier der Link für alle, die von Obamas Botschaft nicht genug kriegen können: http://www.dipdive.com/



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