20.3.2011 05:21

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Warten auf Sweet Micky

Michel Martelly strahlt in Haiti gerade von fast jeder Mauer: Der 50-jährige, auch bekannt als „Sweet Micky", gilt als Favorit für die heutige Präsidenten-Wahl hier. Natürlich haben wir darum Ja gesagt, als uns vor einer Woche ein Interview mit dem Spitzenreiter angeboten wurde. Angeboten.


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Vor dem Haus von Präsidentschafts-Kandidat Michel Martelly.


Das SMS kam von einem befreundeten Kameramann, der schon oft gleichzeitig mit uns in Haiti gefilmt hat: Wenn wir Martelly wollen, kann uns Ralph weiterhelfen. Tatsächlich hat dieser Ralph in der Vergangenheit bereits einige Interviews mit Politikern in Haiti organisiert, und so sagen wir zu - wohlwissend, dass solche Offerten in Haiti mit Vorsicht zu geniessen sind.


Seit dem Erdbeben hat sich hier eine Mini-Industrie von fleissigen Helfern entwickelt, die sich ausländischen Journalisten als lokale Arbeitskraft anbieten - „Fixer" nennt man diese Leute in der Branche, und ein guter Fixer ist gerade in Krisengebieten Gold wert. Allerdings gibt es nicht wenige, die die Situation auch einfach ausnutzen wollen. Diese meist zwielichtigen Typen versprechen dann das Blaue vom Himmel, um mit den Medien ins Geschäft zu kommen.


Als Korrespondent bleibt einem nichts übrig, als die Angebote kritisch zu hinterfragen und dann auf plausible Geschichten einzusteigen. So war das auch bei "Sweet Micky": Dank den Referenzen von Journalisten-Kollegen machen wir mit Ralph aus, gemeinsam zum Interview mit Martelly zu fahren.


Um halb zehn stehen wir vor der Villa. Warten. Auch das ist in Haiti normal, schnell geht hier nie etwas. Nach einer Stunde heisst es, der Kandidat schlafe noch, wir sollten später wieder kommen. Ralph nickt, versichert uns er sein ein enger Freund der Familie und am Mittag sei für das Interview alles parat. Wir fahren also zuerst zum Lokalfernsehen, um mit den Technikern dort die Übermittlung unseres Beitrages zu besprechen.


Mittag, wir sind zurück bei Martelly. Auch Ralph ist hier. Der Kandidat - naja, er schlafe noch, heisst es. Er sei sehr, sehr müde. Sweet Dreams, Sweet Micky! Unsere Skepsis wächst; nicht gegenüber Martelly, der nach einem harten Wahlkampf wahrscheinlich tatsächlich nur noch schlafen will, sondern gegenüber unserem Pseudo-Fixer Ralph, dem selbst ernannten Freund der Familie. Er versichert uns noch einmal: Wenn wir um fünf Uhr wiederkommen, sei bestimmt alles bereit, das habe ihm Frau Martelly versprochen, und er verspreche es uns. Hm. Zähneknirschend verabreden wir uns für fünf Uhr, aber keine Minute später.


Nach der Strassenumfrage kommen wir zurück, punkt fünf sind wir wieder vor der Villa. Von Ralph keine Spur. Kandidat Martelly, sagt man uns - sei nicht mehr da. Nein, wann er wieder kommt wisse man nicht. Ralph nimmt sein Telefon jetzt nicht mehr ab. Drei, Vier Versuche, nach dreissig Minuten lassen wir es bleiben, schliesslich müssen wir weiter drehen und am abend schneiden.


Leere Versprechen sind wir uns ohnehin gewohnt, das gehört zum Alltag eines Auslandkorrespondenten. Auch als Land hat Haiti seine Erfahrungen damit: Immer wieder in den letzten Jahrzehnten wurden die Hoffnungen, die das Volk in seine Politiker setzt, brutal enttäuscht. Haiti hat es verdient, dass die Zeit der leeren Versprechen bald vorbei ist.



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10.1.2011 04:34

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Haiti, ein Jahr danach


Zum dritten Mal seit dem Beben vom 12. Januar 2010 bin ich nun in Haiti. Ich erinnere mich gut daran, wie wir damals aus einem zerstörten Land berichteten und bei unserer Abreise hofften, dass Haiti nach diesem Schicksalsschlag schnell wieder auf die Beine kommt. Das haben auch die Menschen hier gehofft. Das hat die ganze Welt gehofft. Ein Jahr später sehen wir, dass die Hoffnung nicht erfüllt wurde.

Ein Bild sagt mehr als tausend Worte, heisst es. Nachfolgend also ein paar Fotos, die im Laufe des heutigen Tages aufgenommen wurden - wichtig zu betonen, denn leider könnten sie genau so gut gleich nach dem Erdbeben entstanden sein.

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Von den prächtigen Gebäuden in Downtown Port-au-Prince stehen nur noch Ruinen.

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Viele leben praktisch ohne Hygiene - die Cholera hat das Land nach wie vor im Griff.

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Fast alle Geschäfte von einst in Port-au-Prince sind zerstört ...

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... der Grossteil des Handels findet unter freiem Himmel statt.


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Eigentlich hätte Haiti bereits letztes Jahr eine neue Regierung bekommen sollen. Eigentlich.



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1.12.2010 21:50

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Bon chans Sweet Micky!

«Das Haitianische Volk hat es satt, an Hunger zu sterben, kein Wasser zu haben, keine Schuldbildung zu bekommen, keine Gesundheitsversorgung, keine Beschäftigung zu haben!» Michel Martelly alias «Sweet Micky» schreit es vor der versammelten Presse ins Mikrophon, als wäre die Wahl erst nächsten Sonntag. «Das Volk hat genug von Préval und den andern Dieben, die das Volk bestehlen und für die Misere im Land verantwortlich sind!» Spontaner Applaus unter den einheimischen Journalisten. Und irgendwie spüren alle: Hier spricht der nächste Präsident von Haiti.


Michel Martelly alias «Sweet Micky»


«Sweet Micky» weiss, dass er die meisten Wahlkreise haushoch gewonnen hat. Das Volk hat gesprochen. «Und das Volk wird dafür kämpfen, dass seine Wahl respektiert wird!» Noch gibt es Zweifel, dass die Wahlkommission am Sonntag den richtigen Sieger bekannt geben wird. «Wenn sie es wagen, uns diesen Sieg zu stehlen, gibt es eine Revolte», sagt ein Helfer von Martelly. «Die aktuelle Regierung versucht es noch immer», ist Martelly selber überzeugt. Und dann wird er laut: «Wir werden es nicht zulassen!»

Michel Martelly, der Sänger, durch keine politische Arbeit vorbelastet, könnte nach Jean-Betrand Aristide 1990 und dessen «Zwillingsbruder» René Préval 1996 der dritte haitianische Präsident werden, der sich seinen demokratischen Wahlsieg mit dem Druck der Strasse gegen eine gescheiterte, korrupte Regierung durchsetzt. Doch schafft er die Wende, die er den Ärmsten verspricht? Aristide und Préval, die bisher einzigen demokratisch gewählten Präsidenten in Haitis 200-jähriger Geschichte, hatten ihr Volk enttäuscht. Einmal an der Macht, haben sie schnell ihre Versprechen vergessen und nur noch in die eigene Tasche gewirtschaftet. «Diebstahl am Volk», nennt es «Sweet Micky».

Doch wird diesmal alles anders? Dem haitianischen Volk wäre es zu gönnen. «It's not about the man», sagte US-Präsident Obama, «it's about the plan». Es kommt auf den Plan an, nicht auf den Mann. In Haiti ist das umgekehrt. «Alle kennen den Plan», sagt Martelly, «aber Haiti braucht den Mann, der ihn endlich umsetzt.»

«Sweet Micky» will der richtige Mann sein. Doch niemand weiss, ob er nicht auch der süssen Versuchung des Machtmissbrauchs erliegen wird. «Haiti erlebt historische Tage», schreit Martelly in die Mikrophone. Es wird an ihm liegen, dass er Recht bekommt.

Bon chans Sweet Micky, bon chans Haiti!



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13.4.2010 03:35

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Haiti - davor und danach

Wir kennen Haiti nur als Land der Ruinen. Kaum einer der Journalisten, die nach dem 12. Januar so schnell wie möglich in den Karibikstaat geflogen sind, war davor einmal in Haiti. So wandert der Blick über all die zerstörten Häuser, die Zeltstädte, die Menschen-Karawanen und fragt: Wie war es hier "davor"?

Die beste Antwort darauf können die Haitianer selber geben. Einer von Ihnen ist Yvetot Gouin. Er hat aus Bildmaterial, das er vor und nach dem Beben gedreht hat, einen eindrücklichen Kurzfilm gemacht - zur Musik von Jean Jean-Pierre, einem Komponisten aus Haiti. Das Stück trägt den Titel: "Ayiti Leve Kanpe" - Haiti, steh' auf.

(Achtung: Teils schwer verdauliche Bilder)





(Und: Was passiert mit den Schweizer Hilfsgeldern vor Ort? Beitrag dazu in der Sendung "10vor10" ist hier zu finden.)



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4.4.2010 23:51

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Kinder der Katastrophe

Wer als Ausländer in Haiti unterwegs ist, wird mindestens einmal pro Tag von einem Kind überrascht, das einem mit ausgestrecktem Zeigefinger zuruft: „Blanc!"

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Blanc, Weisser, so nennen die Haitianer alle Ausländer. Und die Kinder, direkt wie sie sind, lassen den Besucher natürlich sofort wissen, dass sie ihn als eben solchen erkannt haben. Das Erdbeben liegt nun fast drei Monate zurück, ich weiss nicht wieviel das in Kinderjahren ist, aber ich schätze mal eine Ewigkeit.

Blanc! Und oft lachen die Kleinen dann laut. Die meisten Kinder, zumindest jene die Ihre Eltern noch haben, kennen das Misstrauen nicht, das viele Haitianer Weissen aus Prinzip entgegen bringen. Sie blicken Fremde einfach mit Neugier an, mit fragenden Augen wie nur Kinder sie haben können.

Blanc, was kommt als nächstes? Ich weiss es nicht. Diese Kids sind die Zukunft Haitis, und in ein paar Jahren werden sie vor der Aufgabe stehen, dieses Land zu gestalten. Der eine oder andere Blanc wird ihnen dabei helfen, aber sie werden selbst bestimmen, in welche Richtung sich Haiti entwickelt. Bonne chance, enfants d'Haiti.


(Zum Tagesschau-Beitrag über die Regen- und Sturmgefahr in Haiti geht's hier.)



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3.4.2010 04:30

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Regen, die graue Gefahr

In Haiti beginnt die Regenzeit. Einen tropischen Schauer haben wir eben erst miterlebt - das Wasser fällt hier wie aus tausend Gartenschläuchen. Jetzt stelle man sich einmal vor, was das für die Menschen heisst, die hier in improvisierten Zeltdörfern leben.

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Ich erinnere mich noch, ich war etwa 12, es war ein Lager mit den Pfadfindern, wo wir vom Regen überrascht wurden. Wir hatten unser Zelt, eigentlich ein ganz brauchbares Modell, nicht richtig aufgebaut, und so tropfte, floss und goss es eine Nacht lang hinein. Es gibt wohl wenig Dinge, die die persönliche Moral so schnell in den Abgrund ziehen wie die völlige Durchnässung von allem, was sich um einen herum befindet: Kleider, Essen, Schuhe, alles trieft. Und über allem hängen die Wolken, deprimierende Lichträuber, die graue Geduldsprobe.

Bei den Pfadfindern fanden wir damals Unterschlupf in einem Haus in der Nähe und konnten unsere Sachen im Nu trocknen. Das können die Menschen in Haiti nicht. Jeder neue Regen, und der Regen kommt hier in immer kürzeren Abständen, macht die eiligs aufgestellten Leintuch-Zelte zu tropfenden Wasserhöhlen. Und niemand kann raus - wohin sollen die Leute auch, ihre Häuser sind zerstört und Unterschlupf gibt's höchstens bei Verwandten, die aber oft zu weit weg wohnen. So harren Hunderttausende im Schlamm aus, und die Moral sinkt und sinkt. Regen ist hier weit mehr als eine graue Geduldsprobe - er ist eine graue Gefahr. Lebensbedrohend, denn je mehr es giesst, desto schlechter wird die hygienische Situation in den Lagern.

Ich wünsche Haiti, dass der Frühling 2010 hier so trocken wird wie selten.



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1.4.2010 02:57

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Déjà vu in Port-au-Prince

Haiti hat uns wieder. Heute sind meine Kameramann und ich in Port au Prince gelandet; komisches Gefühl, so ein Direktflug aus New York in jene Stadt, die wir vor etwas mehr als zwei Monaten noch per Kleinbus in einer achtstündigen Fahrt erreicht haben. Der Flughafen funktioniert wieder, sogar unsere Pässe werden kontrolliert - also alles wieder normal?

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Wie ich so in der Schlange warte, fällt mir auf, was die Exil-Haitianer ihren Verwandten aus den USA mitbringen: nicht mehr Kleider und Medikamente, sondern Küchen-Utensilien und Elektrogeräte. Ein paar kleine Schritte auf dem Weg zur Normalität, oder besser gesagt zum Alltag, hat das Land seit unserer Abreise offenbar gemacht.

Am Gepäckband ist von Normalität dann aber herzlich wenig zu spüren: Hunderte Neuankömmlinge drängeln sich um die Koffer, die vom Flughafen-Personal vom Wagen abgeworfen werden. Natürlich finde ich meinen Rucksack nicht, und in mir schleicht der Verdacht hoch, dass er vielleicht nicht den gleichen Flug genommen hat wie ich (gestohlen zumindest hat ihn sicher niemand, dafür ist er schlicht zu hässlich). Ich warte, warte, und ein Passagier nach dem anderen bekommt sein Gepäck. Dann ist fertig - und mein Rucksack? Fehlt. Doch dann, zuallerletzt, klaubt ihn doch noch jemand aus der Ecke des Wagens, und ich bin froh, nicht ohne frische Kleider in Port-au-Prince zu sein.

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Die Fahrt durch die Stadt ist dann ein einziges Déjà-vu. Schritte Richtung Alltag sind kaum auszumachen: dieselben zerstörten Häuser, dieselben Zeltstädte voll bitterster Armut, die selben bettelnden Kinderaugen. Wiederaufbau - das Wort will und will nicht zu Port-au-Prince passen. Neuanfang vielleicht. Aber auch der ist nur in Details zu erkennen: Supermärkten, die wieder geöffnet sind und Strassenverkäufern, die Radios und Windeln verkaufen statt Brot und Bananen.

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Port-au-Prince wird wohl noch über Jahre, vielleicht Jahrzehnte, das Déjà-vu der Stadt nach dem Beben hervorrufen. Der Weg in eine „normale" Zukunft wird für Haiti lange und steinig werden. Aber immerhin, auch kleine Schritte sind Schritte.



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25.1.2010 19:00

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Na wè pita, Haiti!

Auf Wiedersehen, Haiti - heute verlassen wir das Land, das mit seinem Schicksal die Welt bewegt hat. Wir, das sind mein Kameramann Axel Ebermann, mein SF-Kollege Georg Häsler und ich. Es waren intensive Tage hier, wir haben viel gesehen: Not und Zerstörung, Leid und Verzweiflung - aber auch Lebensmut und Optimismus, Kraft und Hoffnung. Die Welt kennt Haiti als einzige Ruine, als Land auf der Intensivstation. Doch Haiti hat auch ein anderes Gesicht: Die Menschen hier helfen einander, sie machen sich gegenseitig Mut und wehren sich dagegen, ihr Land abzuschreiben.

Am Flughafen von Port-au-Prince

Am Flughafen von Port au Prince bin ich diese Woche an einem Plakat vorbeigelaufen, das für einen Mobilfunk-Betreiber wirbt. Über dem Schutt lacht mir da eine Haitianerin entgegen mit dem Spruch: Nou se fanmi - wir sind eine Familie. Als ich dieses Bild gemacht habe fand ich die Werbung mitten in der Katastrophe ziemlich seltsam. Jetzt, diverse Fernsehberichte und unzählige Gespräche später, schaue ich das Bild an und sehe darauf meine Haiti-Erfahrung: Zerstörung, Chaos auf der einen Seite, Lebensfreude und Gemeinschaftsgefühl auf der anderen. Nou se fanmi.



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22.1.2010 00:48

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Mit Gott und Gesang

Viele hier in Haiti haben alles verloren - ihr Zuhause, ihren Job, ihre Lieben. Wie kann man so einen Schicksals-Schlag verkraften? Wie reagieren Menschen, wenn ihre ganze Welt buchstäblich um sie herum zusammen bricht? Man könnte denken, dass sie wütend sind, wütend auf die Erde, die bebte, und auf Gott, der dies alles zugelassen hat.

Doch die Haitianer sind nicht wütend. Schon gar nicht auf Gott - im Gegenteil. Selbst schwer Verletzte richten ihre Schmerzens-Schreie gen Himmel an Jesus persönlich. In der Not gibt ihnen der Glauben - sei es nun christlich oder Vodoo - die Kraft, das alles hier auszustehen. Und so machen die Menschen hier weiter.

Und sie singen: Alleine, ganz für sich auf der Strasse, oder zusammen, in Märschen und in den Zeltdörfern am Strassenrand. Auch das gibt ihnen Kraft, um trotz allem weiter zu machen; Lebensmut umgeben von Trümmern, dafür haben die Haitianer meinen grössten Respekt.

Lebensmut, umgeben von Trümmern in Haiti



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19.1.2010 05:59

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USA - wer sonst?

Mitten im Chaos von Port au Prince höre ich nun öfter etwas, was ich hier nicht erwartet hätte: Amerika-Kritik. Die Amis managen den Flughafen nicht richtig. Die Amis fahren hier ein als wäre es Krieg - und sehen auch so aus. Die Amis, ach, die Amis, die ungeliebte Supermacht.

Amerikanischer Soldat auf dem Flughafen von Port au Prince

Aber mal ehrlich: Wer ausser den USA hätte die Manpower, das Know-How und den Speed, auf so eine Katastrophe zu reagieren? Sicher, dass die Amerikaner Waffen tragen und Kampfanzüge, das erinnert an einen Krieg; aber der Einsatz dieser Mittel ist und bleibt Hilfe in der Not. Und wer in Trümmern begraben um sein Leben zittert, dem ist wohl egal welche Farbe der Helm seines Retters hat.

Amerikanischer Hilfstrupp auf dem Flughafen von Port au Prince

In einer perfekten Welt wäre es wohl die Uno, die auf so eine Katastrophe ragieren müsste. Aber die Vereinten Nationen sind nie so schnell und effektiv wie die zur Perfektion gedrillten US-Soldaten - dass sie ihre Fähigkeiten nach einem Erdbeben einsetzen statt im Krieg, ist das wirklich Grund zur Amerika-Kritik mitten im Chaos?


Vorschaubild für IMG_5333.JPG



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