4.12.2010 17:20

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Der Wandel der Klimakanzlerin

Fragt man einen deutschen Journalisten zur Klimapolitik von Angela Merkel erntet man nur Schulterzucken. Nicht von Interesse, heisst es, oder das war einmal. Schlicht Resignation. Dabei war die Klimapolitik einst zuoberst auf des Kanzlerins Agenda. Als Angela Merkel im August 2007 in signalroter Jacke am Eqi-Gletscher in Grönland stand, war dies nicht nur ein einprägsames Fotomotiv. Umweltschutzorganisationen nannten sie gleich die Klimakanzlerin und freuten sich, ob der klimapolitischen Pläne Berlins. Der Mythos hielt sich nicht lange.

Das grandiose Scheitern der Klimakonferenz in Kopenhagen vor einem Jahr, nahm auch der Kanzlerin die Lust weiterhin für den Klimaschutz zu kämpfen. Am Gipfel in Cancun nimmt sie schon gar nicht mehr teil. Dabei steht Deutschland keinswegs alleine da.In allen Industrieländern sind die Bemühungen um den Klimaschutz von den Folgen der Finanzkrise überlagert worden. Wo das Geld knapp ist, wird es nicht zuerst für den Klimaschutz ausgegeben. Erfolgversprechend ist der Einsatz um das Klima erst wieder, wenn genügend finanzielle Mittel zur Verfügung stünden. Merkel_Antarktis.jpg

Die deutschen Journalisten erwarten denn auch keinen nennenswerten Input von Seiten der deutschen Delegation. Umweltminister Röttgen werde die Position der EU bekräftigen und im übrigen, wie alle anderen Parteien auch, warten bis sich die Gegenseite bewege. Mit Mikado freilich lässt sich am Ende keinen Staat machen, ist ein Erfolg der Klimakonferenz in Cancun bereits gescheitert.

Und die Klimakanzlerin? International gibt es auch andere Sichtweisen auf ihre Klimapolitik. Vor drei Wochen wurde ihr von der Frauenuniversität in Seoul, der mit rund 25'000 Studentinnen grössten ihrer Art auf der Welt, die Ehrendoktorwürde verliehen.Die Kanzlerin habe, hiess es unter anderem zur Begründung, für den weltweiten Klimaschutz wichtige Beiträge geleistet.



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2.12.2010 18:09

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Russentag in Cancun

Es ist eines dieser zahlreichen Plenen. Langatmig und gar mancher der Delegierten hat bereits der Schlaf übermannt. Es geht um den Emissionshandel. Plötzlich Aktivität von rechts oben. Ein Raunen erfüllt den Saal - Köpfe drehen sich zu den russichen Delegierten, die sich in den Armen liegen. Russland wird die Fussballweltmeisterschaften 2018 ausrichten. Bis alle ob des Tohuwabohus Bescheid wissen vergeht eine halbe Stunde. Dann der alte Trott - die russische Delegation ist längst entschwunden. Russen feiern mit Vodka

Dabei ist gerade Russland vom Emissionshandel speziel betroffen. Russlands erklärtes Ziel ist es, die Co2-Emissionen auf den Stand von 1990 zu halten. Das Gegenteil ist eingetroffen. Russland hat gegenüber 1990 die Emissionen um 32 Prozent gesenkt. Nicht etwa weil eine umsichtige Klimapolitik betrieben worden wäre, vielmehr weil die Produktion dermassen stark zurückgegangen ist. Mit diesen "ersparten Emissionen" betreibt Moskau nun einen blühenden Handel. Emissionsrechte können an jene Länder verkauft werden, die mehr Schadstoffe abgeben als vorgesehen. Für die Regierung Medwedew ein Milliardengeschäft.

Für seinen Vorgänger war Klimawandel noch kein Theme. Wladimir Putin hatte noch vor zehn Jahren erklärt, es sei doch gut, dass es immer wärmer werde. So müssten die Russen weniger heizen und könnten viel Geld sparen, statt es für Pelzmäntel auszugeben. Doch spätestens seit der Jahrhunderthitze in diesem Sommer, der riesige Wald- und Kulturflächen zerstört hat, hat ein Umdenken im Kreml eingesetzt. Der drittgrösste Treibhaus-Emittent will kräftig mitreden in Cancun. Und da sind wir wieder beim Emissionshandel.

Russland wird sich mit Händen und Füssen dagegen wehren, das Milliardengeschäft mit den Emissions-Zertifikaten einzustellen. In Cancun liegen entsprechende Vorschläge auf dem Tisch, den im Kyoto-Protokoll erlaubten Handel zu verbieten. Russland sucht Verbündete und findet sie in der Ukraine, in Kasachstan, in Weissrussland und Usbekistan. Die früheren GUS-Staaten wollen im Ernstfall eigene Wege gehen und dafür Sorge tragen, dass der Milliardenhandel weiterhin die Staatskasse füllt. In den nächsten Tagen wird das Problem weiter zu reden geben. Dann sicher wieder mit einer ausgeschlafenen russischen Delegation.

 

 

 



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1.12.2010 18:16

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Arm gegen reich

Vorallem die armen Länder dieser Erde sind von der Klimaerwärmung besonders betroffen. Die Grösse der Dürreflächen wird nach UNO Angaben bis 2020 um 15 Prozent steigen. Afrika will jetzt Geld sehen - Geld zur Bekämpfung der grössten Umweltschäden - und das nicht zu knapp. In Afrika ist der Ausstoss von CO2-Emissionen realitv gering, auch wenn die Abholzung der Regenwälder auf dem Schwarzen Kontinent munter voranschreitet. Die Industriestaaten seien verantwortlich für den Klimawandel, verantwortlich für die massiven Umweltschäden und damit für die Verarmung grosser Landstriche. Und das seit Beginn des Industriezeitalters. So das Argument von Khartum bis Johannesburg, von Kairo bis Ouagadougou. Das Auftreten der afrikanischen Delegationen in Cancún ist dabei nicht bittend, sondern klar fordernd.

 

Bauern fordern einen KlimafondsDie Finanzierung zur Beseitung der grössten Umweltschäden ist die zentrale Frage an der UNO-Klimakonferenz. Auf dem Tisch liegt ein Vorschlag der UNO. 100 Milliarden Dollar sollen jährlich bis  2020 für die armen Länder bereitgestellt werden. Auch für den Transfer von umweltfreundlichen Technologien. Der Vorschlag wird von den Afrikanern rundweg abgelehnt. Der Delegierte von Burkina Faso ereifert sich. Die reichen Länder hätten ein Mehrfaches ausgegeben um das marode Bankensystem zu retten, für Afrika bleibe jetzt nichts mehr übrig.

Kopenhagen vor einem Jahr. Vollmundige Versprechungen haben für Aufsehen gesorgt. Von sogenannten Anschubkrediten war die Rede, Sofortgelder für die Beseitigung der gröbsten Umweltschäden, sofort ausszahlbar. Bundeskanzlerin Angela Merkel versprach 100 Millionen Euro für 2010. Andere Staaten zogen mit, man wollte sich keine Blösse geben, nicht als Aussenseiter in die Kritik kommen, auch die Schweiz. Nun hat eine niederländische Umweltschutzorganisation Daten veröffentlicht, wer bisher wieviel bezahlt hat. Das Ergebnis ist ernüchternd. Merkel-Gelder wurden zu 10 Prozent freigegeben. Immerhin. Keinen Dollar gab's aus Washington, keinen Yuan aus Peking, keinen Rubel aus Moskau und keinen Franken aus Bern. 

Der Mann aus Burkina Faso rauft sich die Haare. Es sei fast wie in vergangenen Zeiten, als der weisse Mann nur zum Löwenschiessen nach Afrika gekommen sei.



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30.11.2010 16:53

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Cancún - Was nun?

Schon im Vorfeld der UNO-Klimakonferenz in Cancún sagten die Pessimisten, viel Gerede, wenig Ertrag. Die Optimisten halten es mit den neuen Besen, die bekanntlich fähig sind, den Müll von gestern radikal wegzuräumen. Und dieser Müllberg ist riesig, hinterlassen in Kopenhagen, wo das umweltpolitische Establishement vor einem Jahr die Welt retten wollte und dabei schmerzhaft auf die Nase gefallen ist. Die Gründe sind bekannt.

CancúnWas nun? Wieder sind sie gekommen, tausende Delegierte, auch von Staaten, die man bisweilen nur auf bunten Briefmarken liest. Sie wollen es besser machen als vor einem Jahr. Auch wenn heute niemand mehr von einem umfassenden globalen Klimaschutzabkommen spricht. Es sind Staaten - 193 an der Zahl - die alle auf dem gleichen Planeten liegen. Und doch nennt man sie Entwicklungsländer oder Industriestaaten oder Schwellenländer. Unterteilt werden sie nach wirtschaftlichen Kriterien, nach der Stärke ihres Bruttoinlandproduktes.

Doch eigentlich müssten ja alle am gleichen Strang ziehen: Überschwemmungen, Dürre, Erdrutsche und andere Umweltkatstrophen nehmen massiv zu, nicht nur in Bangladesh auch in Brasilien, in Polen, Vanuatu, auch in der Schweiz. In Ländern mit hohem Bruttoinlandprodukt und in Ländern, wo die Menschen täglich ums Überleben kämpfen müssen. Cancún soll wieder Vertrauen schaffen unter den Ländern, nach welchen Kriterien sie auch immer unterteilt werden. Sie sollen sich wieder gemeinsam an einen Tisch setzen und für einen Moment vergessen zu welcher Kategorie sie gehören. Es geht um viel mehr. Ich halte es mit den Optimisten. Die neuen Besen können für mich nicht gross genug sein.



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15.12.2009 17:16

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Die USA kommen

Die USA haben ein Sicherheitsproblem. Da konnte doch neulich ein nicht eingeladenes Paar während eines Staatsbanketts In die Räume eindringen und Präsident Obama die Hand schütteln. Die USA wollen in Kopenhagen kein SicherheitsProblem haben. Am morgen kamen sie angefahren, zwei Dutzend tough guys, stiegen aus ihren Limousinen und übernahmen das Zepter. Der Secret Service ist in Kopenhagen. Vor dem Besuch von Präsident Obama soll alles in Ordnung gebracht werden - Kein Schlupfloch offen bleiben für mögliche Terroristen. Die Inspektion wirkt sich verheerend aus. Da müssen Möbel verschwinden, Büros müssen geräumt werden und Verpflegungsstände wegziehen. Da werden Fenster abgedichtet, Toiletten geschlossen und Eingänge vernagelt. Und da patrouillieren sie nun; immer zu zweit, in John Wayne-Manier, den Knopf im Ohr. Ich werde sie vermissen, die freundlichen «Politi» aus Dänemark.

Päpstlicher Zuspruch

Am Donnerstag kommen sie also: 122 Staatsoberhäupter dieser Welt. Sie wollen für den letzten Schliff sorgen für ein globales Klimaabkommen. Ein Abkommen das freilich nicht global sein wird. Da hilft nur noch päpstlicher Zuspruch. Aus dem Vatikan meldet sich Papst Benedikt XVI. Er ruft auf zu einer ökologischen Kehrtwende. Die aktuellen Krisen von Umwelt und Gesellschaft machten ein totales Umdenken erforderlich. Notwendig seien neue Lebensformen, die durch Masshalten und Solidarität gekennzeichnet seien. Von der katholischen Kirche sind keine Vertreter in Kopenhagen. Doch gibt es Kopten und Buddhisten, Muslime und Juden, Shintoisten und Hinduisten, Taoisten und Animisten. Und jeder soll auch hier im kalten Norden seine Gebete verrichten und die Nahrung zu sich nehmen können, die er gewohnt ist. Vor dem prayers room stehen fünf mal täglich die Muslime Schlangen. Freilich ruft kein Muezzin vom Minarett zum Gebet.

Chaos im Bella Center

Apropos Schlange stehen. Es wird täglich schlimmer, die Schlangen täglich länger und täglich ärgert man sich lauter. Die Organisatoren haben heute erstmals Fehler zugegeben. Das Ganze ist ihnen offensichtlich völlig über den Kopf Gewachsen. Allein übers Wochenende sollen wieder 4500 neue Eintrittsbewilligungen ausgestellt worden sein. Mittlerweile haben 40'000 Personen eine solche Bewilligung, bei einer Kapazität von höchstens 15'000 Personen - die Bevölkerung einer Schweizer Kleinstadt auf 77'000 Quadratmeter. Was wollen die nur alle hier, fragt man sich, und die Frage ist berechtigt. Die Dänen sind halt freundlich und lassen jede Gruppe rein, die nur im entferntesten Etwas mit Klimaschutz zu tun hat. Doch damit ist jetzt Schluss. Ab morgen übernehmen Sicherheitsleute der UNO das Kommando, angereist aus New York, dem Hauptsitz der Organisation. Und auch hier gilt: Ich werde sie Vermissen die freundlichen «Politi» aus Dänemark.



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14.12.2009 11:57

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Die Schweiz im Mittelfeld

Jedes Jahr veröffentlich die Umweltschutzorganisation Germanwatch das Klimarating. Darin werden alle Länder gemessen an Emissionshöhe, Emissionsentwicklung und Klimapolitik gemessen. Die Podestplätze 1 bis 3 wurden dieses Jahr nicht vergeben, weil keines der untersuchten Länder wirklich gute Leistungen zeigten, sagt Germanwatch. Erstaunlich dann Brasilien auf Rang vier vor Schweden und Grossbritannien. Am Ende stehen Kanada und Saudi-Arabien. Die Schweiz steht mit dem 13. Platz im Mittelfeld, allerdings mit deutlichem Abstand, wie der WWF-Schweiz in seinem Kommentar feststellt. Dieser Rang  verdanke die Schweiz dem Umstand, dass der CO2- Ausstoss im Inland relativ klein ist. Der WWF stellt fest, dass gemessen an fortschrittlichen EU-Ländern und an den Erkenntnissen der Wissenschaft die Schweizer Klimapolitik immer noch schwach sei. Selbst der Bundesrat gibt inzwischen zu, dass die Emissionen viel stärker zurückgefahren werden müssten.

Saure Ozeane

Die Ozeane absorbieren etwa einen Viertel aller Treibhausgase. Die Forscher haben bisher die Auswirkungen auf das Biotop Meer stiefmütterlich behandelt. Bis heute. Pünktlich zur  Klimakonferenz erscheint nun ein Bericht der UNO, der die Auswirkungen beleuchtet und ein Fazit zieht, das besorgniserregender nicht sein könnte. Das Wasser wird immer saurer und saurer. Bleibt der CO2-Ausstoss bei dem heutigen Stand dürften die Meere 2050 rund 150 Prozent saurer sein als heute. Dieser Anstieg passiert so schnell, dass sich die Meere nicht erholen können. Bis zum Jahre 2100, so schätzt der Bericht seien 70 Prozent aller Korallensysteme in den Meeren abgestorben. Verheerend seien auch die Auswirkungen auf die Meerespopulation.  Die in der Nahrungskette wichtigen Krabben, Muscheln und andere hätten bei diesem Szenario keine Überlebenschance mehr. Verheerend dürften die Folgen auch für die Fischerei sein, stellt der Bericht weiter fest. Zahlreiche Nutzfische wären vom Aussterben bedroht.

Neulich vor dem McDonalds

Vegetarier aller Länder vereinigt euch. Ihr Beitrag gegen die Erderwärmung ist simpel. Kein Fleisch essen und der Klimawandel wäre beseitigt. Schon Albert Einstein sagte „Nichts wird die Chance auf ein Überleben auf der Erde so steigern wie der Schritt zur vegetarischen Ernährung."  Vor dem Fastfood-Riesen in der Innenstadt von Kopenhagen ist seit Tagen ein grosses Auflauf. Vegetarier aller Länder sind lautstark präsent und demonstrieren gegen McDonalds und für das fleischlose Dasein. Selbst die Weltgesundheitsorganisation FAO rechnet damit, dass 18 Prozent aller CO2-Emmission von der Landwirtschaft stammen. Das ist weit mehr, als weltweit der gesamte Verkehr erzeugt. Die Viecher rülpsen Methan und das pausenlos. McDonalds nimmt's gelassen. Das sei nicht das erste Mal, dass die Vegetarier vor dem Laden stehen, sagt der Geschäftsführer. Die Passanten lesen interessiert die Flyers der Vegetarier und gönnen sich dann einen Doppelburger with cheese.



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12.12.2009 15:19

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Regelung für den Luftverkehr

Was im Kyoto-Protokoll noch ausgespart wurde, soll nun in Kopenhagen verwirklicht werden. Der internationale Luftverkehr soll in ein globales Klimaschutzabkommen einbezogen werden. In der Schweiz stammen etwa 10 Prozent aller CO2-Emissionen vom Luftverkehr. Gefordert ist vor allem die Flugzeugindustrie in den Bereichen Antriebstechnik und Design. Diskutiert wird aber auch über alternative Treibstoffe. Der Pazifikstaat Tuvalu ist auch in dieser Frage aktiv: Länder mit hohem Luftverkehrsaufkommen sollen auch dafür bezahlen, so ihr Vorschlag. Die Vorreiterrolle spielt aber auch hier die EU. Sie fordert, die Emissionen sollen bis 2020 um 10 Prozent fallen. Doch wie in vielen Teilbereichen der Verhandlungen gilt auch hier; bisher sind keine Fortschritte zu verzeichnen. Jedoch wollen viele Minister ein Zeichen setzen und reisen mit dem Zug an, begleitet natürlich von einem riesigen Medientross. Ein Billet gelöst hat auch Moritz Leuenberger. Am Donnerstag reist er an: Bern - Kopenhagen. Unklar ist, ob es ein einfaches oder ein Retour-Billet ist.

Der Raja und die Affen

Der Raja von Sarawak ist von beeindruckender Gestalt, in prächtige Gewänder gehüllt, bringt er gut und gerne 120 kg auf die Waage. Die Rajas waren in vergangenen Zeiten die Herrscher des Fürstentums Sarawak, das heute zu Malaysia gehört. Der Raja verteilt Prospekte. Rettet den Orang Utan. Er betreibt in Sarawak eine Widereingliederungsstation für den vom Aussterben bedrohten Menschenaffen. Der Raja macht nicht viel Worte: 25 Prozent der Urwälder wurden in Sarawak abgeholzt. Vor allem im Auftrag von japanischen Konzernen. Der Lebensraum der Orang Utan verkleinert sich jedes Jahr um 3 Prozent. Im Jahr 2050 wird es den Orang Utan in Malaysia nicht mehr geben. Der Raja sammelt Geld. Mit 20 Dollar kann man einen kleinen Orang Utan adoptieren, so heisst es im Prospekt. Der Autor spendet und will wissen wie viele Äffchen schon adoptiert wurden. Mit dem Geld, so sagt der Raja, könne man sämtliche Urwaldbewohner vom Aussterben retten.

Keine Rettung für die Gletscher

Jeden Tag gibt es eine ganze Reihe von «Side Events», Veranstaltungen zu den verschiedensten Themen. Der Höhepunkt heute war ein Vortrag von Professor Wilfried Häberli von der Universität Zürich. Häberli beschrieb beeindruckend die Folgen der Klimaerwärmung auf die Alpen. Am Beispiel Matterhorn zeigte er auf, wie wichtig das Verhältnis Schnee-Gletscher-Permafrost ist. Dieses Verhältnis sei durch die Erwärmung massiv in Gefahr. Die Berge würden vertrocknen, Schlamm- und Gerölllawinen würden zunehmen, und - für die Schweiz besonders wichtig - der Tourismus würde an Attraktivität verlieren. Das von der internationalen Gemeinschaft beschlossene 2-Grad-Ziel würde nicht genügen, den Gletscherschwund einzudämmen. Häberli schätzt, dass im Jahr 2050 nur noch 3-5 Prozent der Schweizer Gletscher übrig blieben. Seine Forderung: Die Treibhausgase müssen reduziert werden und zwar JETZT.



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11.12.2009 17:31

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Halbzeit in Kopenhagen

Wärmstes Jahr 2010

Während die Delegierten unermüdlich um einen Klimavertrag ringen, kommt die nächste Hiobsbotschaft pünktlich während der Konferenz: Diesmal von den 1700 Meteorologen der UNO. Sie rechnen damit, dass das Jahr 2010 das wärmste Jahr seit Beginn der Messungen werden könnte. Die Wissenschaftler sehen den Hauptgrund in der durch Menschen verursachten Erwärmung und durch das Wetterphänomen El Nino. Im dritten Abschnitt kommt die Einschränkung. Alles hänge davon ab, wie stark El Nino sich entwickle und ob es einen starken Vulkanausbruch geben wird. Ein Vulkanausbruch soll Einfluss haben auf die Temperatur? Als Nicht-Meteorologe werde ich dank Google fündig: Der gewaltige Ausbruch des Krakatau 1883 zwischen den indonesischen Inseln Java und Sumatra. Der schwerste Vulkanausbruch in der jüngeren Geschichte. Nach damaligen Messungen soll sich die Nordhalbkugel bis zu 0,8 Grad abgekühlt haben. Kalte Winde sind über Europa gefegt, die Ernten waren schlecht. Na, dann nehme ich lieber den Hitzesommer in Kauf.

Grossdemo am Samstag

Die Innenstadt von Kopenhagen gleicht einer Polizeikaserne. Sicherheitskräfte stehen an jeder Strassenecke, vor jedem Kaffee, in Häusereingängen und Unterführungen in Gruppen zu Zehnt. Die Politi ist bereit für den Sturm, der sich für morgen ankündigt, regelmässiger Begleiter an Klimakonferenzen. Die Anti-Establishment-Demo der Klimapiraten, wie sie sich nennen. Sie haben die wichtigsten Plätze schon in Beschlag genommen, schwarz gekleidet, Kaffee trinkend und vor allem frierend. Es hat Null Grad in Kopenhagen. Die Polizei hat schon mal rund 50 Personen verhaftet. Diese können 24 Stunden in Vorbeugehaft genommen werden. Man will kein Risiko eingehen. Der Samstag bleibt der Demonstrationstag. Unter dem Motto «Die grosse Welle» kommt, wollen etwa 4000 Menschen aus Umweltschutzorganisationen aller Länder durch Kopenhagen ziehen. Auch die Schweiz wird vertreten sein. Mit 25 Aufrechten von Pro Natura. Für ein Happening der besonderen Art ist also gesorgt.

Gute Nachrichten

Die EU will also eine Anschubfinanzierung von 7 Milliarden Euro nach Kopenhagen mitbringen. Dies ist die erste verbindliche Zusage überhaupt. Sie zeigt, dass die EU bei den Verhandlungen das Szepter in die Hand nehmen will. Zudem liegt ein zweites Abkommen in der Luft. Man geht davon aus, dass rund 18 Prozent der weltweiten CO2-Emissionen durch die Abholzung von Wäldern verursacht werden. Das Abkommen sieht vor, den Klimaschutz mit dem Schutz des tropischen Regenwaldes zu verknüpfen. Die Idee ist einfach: Die Wälder absorbieren einen grossen Teil der CO2-Emissionen. Dem gespeicherten Kohlenstoff wird ein Wert gegeben, den die Industrieländer kaufen und damit der Abholzung der Wälder den wirtschaftlichen Nutzen entziehen. Brasilien und die zentralafrikanischen Länder haben sich mit dieser Idee schon angefreundet. Noch gilt es einige Details zu klären - noch hat man fünf Tage Zeit.



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10.12.2009 16:36

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Nicht alle haben die gleichen Ziele

Kaum Fortschritte

Die Schweizer Delegation ist gesellschaftlich breit abgestützt. Neben Vertretern des Bundesamtes für Umwelt gehören zur Delegation auch der WWF, eine Vertreterin des Jugendparlamentes, die Arbeitsgemeinschaft alliancesud, Klimaforscher, aber auch der economiesuisse. Dass nicht alle am gleichen Strick ziehen liegt dabei auf der Hand. Die Verhandlungsteilnehmer verbreiten Zuversicht, alles sei noch möglich, die Verhandlungen liefen gut. Gegenwärtig würden die Texte überarbeitet, überall sei guter Wille vorhanden. Sehr viel skeptischer der WWF und alliancesud, die an zahlreichen Verhandlungen teilnehmen und sich einbringen können. Hier heisst es, in den wichtigsten Punkten - also Reduktionsziel und Finanzierung - sei man keinen Schritt weiter gekommen; die Fronten zwischen den Industriestaaten und den Schwellenländern hätten sich im Gegenteil noch verhärtet. Ein rechtlich verbindliches Klimaabkommen sei nicht mehr möglich. Wahrscheinlich liegt die Wahrheit in der Mitte. Beide Seiten sind sich aber einig darin, dass für die Minister in der kommenden Woche viel Arbeit bleibt; es brauche jetzt weitgehende prinzipielle politische Entscheidungen.

Bruderkampf

Ab 2012 sollen in China wieder fast eine halbe Million Menschen umgesiedelt werden. Grund ist ein riesiges Wasserbauprojekt, die Nord-Süd-Wasser-Umleitung. Jeder Vertriebene oder Umsiedler, wie es offiziell heisst, bekommt umgerechnet 2850 Franken. Ich möchte mehr über das Projekt wissen. China hat zwei Stände, einer der Regierung und einer der Umweltschutzgruppe Society of Ecology. Pikant: Beide stehen gleich nebeneinander. Einen weiteren Schildbürgerstreich erklären mir die Umweltschützer, die Kosten seien viel zu hoch und durch den neuen Wasserweg würden grosse Flächen Trocken gelegt und die Fauna arg in Mitleidenschaft gezogen. Ein visionäres Projekt, erklärt mir später der Vertreter des offiziellen China, die Kosten seien niedrig und der neue Wasserweg schaffe neues Ackerland und vergrössere den Lebensraum heimischer Tiere. Ich stutze und frage nach, ob sich beide Seiten schon mal unterhalten hätten. Sowohl der Umweltschätzer als auch der offizielle Vertreter verneinen.

Kopenhagen in Zahlen

Für Dänemark ist es eine Bewährungsprobe. Noch nie hat das kleine Land eine ähnlich grosse Veranstaltung durchgeführt wie der Klimagipfel in Kopenhagen. Die Zahlen sind beeindruckend. Wenn die Minister und Staatsoberhäupter anreisen, sind zwei Drittel aller Polizisten im Einsatz. Zusammengezogen nach Kopenhagen. Hundestaffeln, Fahrzeuge und Helikopter stellt Schweden zur Verfügung. Während der Konferenz werden etwa 2800 Sitzungen abgehalten, Hunderte von Pressekonferenzen durchgeführt. Zahlreiche Küchenmannschaften bereiten 300'000 Menüs und es werden etwa 10 Millionen Dokumente mit mehr oder weniger wichtigen Inhalten gedruckt. Die Rechnung bezahlt freilich der dänische Steuerzahler. Die Organisatoren rechnen mit Kosten von 250 Millionen Franken, etwa die Hälfte verschlingen die Ausgaben für die Sicherheit.



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9.12.2009 16:52

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Selbst Frösche sind hier ein Thema

Erste Bilanz der Schweizer

Die Schweizer Delegation hat heute eine erste Bilanz gezogen. Der erwartete Konflikt zwischen den Entwicklungsländern und den Industriestaaten, scheint sich offenbar zuzuspitzen. Die Verhandlungen seien zäh, aber nicht hoffnungslos. Unter der Klimaveränderung haben besonders die armen Länder zu leiden, Trockenheit, schlechte Ernten und Hunger. Sie sind der Ansicht der Westen müsse dafür aufkommen und sie fordern technologische und finanzielle Unterstützung. Die Industriestaaten sind dazu bereit, mit der Bedingung, dass auch die armen Länder den CO2-Ausstoss stark reduzieren müssen. Auch bei den Reduktionszielen herrscht Uneinigkeit. Es gelte jetzt vor allem, die Deklarationen der Länder unter einen Hut zu bringen. Erwartungen sind im Schweizer Lager da, was die USA betreffen. Das Angebot Washingtons die Emissionen um 17 Prozent zu reduzieren, sei kurzfristig nicht haltbar. Optimistisch sind sie allemal die Schweizer Unterhändler. Noch werde gespielt und taktiert.

Absurdistan

Zu den zahlreichen Absurditäten gehört Herr Wong. Ich nenne ihn mal so, weil er Chinese ist. Herr Wong ist ein Selbstdarsteller. Und als solcher wandelt er seit Tagen durch die Hallen des Konferenzzentrums. Herr Wong setzt sich dezidiert dafür ein, dass Frösche gegrillt und nicht frittiert werden dürfen. Jedem Interessierten zeigt er Bilder, wie der Frosch richtig zubereitet werden sollte. Auf die Frage warum er denn überhaupt Frösche esse, meint er strahlend: Chinesen essen alles. Zum Konferenzalltag gehören mittlerweile auch die zehn vermummten Männer und Frauen, die von morgens früh bis abends spät vor dem Eingang des Zentrum stehen. Praktisch pausenlos rufen sie „Free Aung San Suu Kyi. Freiheit für die burmesische Friedensnobelpreisträgerin - und das bei etwa null Grad. Die dänische Polizei oder Politi versorgt die Aktivisten täglich mit heissem Tee. Und dann gibt's da noch den dänischen Bauernverband. Die Apfelernte scheint noch nie so ertragreich gewesen zu sein wie heuer. Punkt elf fährt ein Kleinlaster - natürlich mit Hybrid-Antrieb - durchs Gelände und verteilt Äpfel. Für gestresste Journalisten, verärgerte Konferenzteilnehmer und strahlende Ökologisten.

Einlasskontrolle

Sicherheit geht in Kopenhagen über alles. Und wieder steht ein Chinese im Mittelpunkt. Nicht irgendeiner, sondern der Klima Sonderbeauftragte des chinesischen Aussenministeriums. Der Mann ist drei Mal gescheitert. Obwohl der Minister gleich zwei Teilnehmerausweise vorgelegt hat, wiesen ihn die strengen dänischen Polizisten immer wieder ab. Was der Grund ist, bleibt ihr Geheimnis. Die chinesische Delegation jedenfalls ist auf heftigste erzürnt. Die Organisatoren versprechen, sowas kommt nicht mehr vor. Die Organisatoren haben insgesamt 34'000 Akkreditierung ausgestellt, obwohl eigentlich nur Platz für 15'000 Menschen ist. Die Situation wird sich wahrscheinlich noch zu spitzen, wenn in der kommenden Woche die Minister und Staatsoberhäupter in Kopenhagen eintreffen.



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